RWE-Zentrale in Essen
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Niedriger Strompreis belastet RWE macht weniger Kohle

Stand: 14.08.2018, 07:28 Uhr

Dem Energiekonzern RWE macht im ersten Halbjahr das schwächere Braunkohlegeschäft zu schaffen. Der wieder anziehende Strompreis hat sich zumindest derzeit noch nicht wirklich ausgezahlt.

Wegen der bevorstehenden Übernahme der Tochter Innogy durch Eon stellt RWE seine Finanzberichterstattung um. Innogy als Ganzes wird dabei nicht mehr wie bisher voll konsolidiert. Diejenigen Teile von Innogy, die auf Eon übergehen, weist der Konzern bis zum Verkauf als „nicht fortgeführtes Geschäft“ aus. Im Wesentlichen ist das das Netz- und Vertriebsgeschäft.

Der Konzern zielt daher wegen der begrenzten Aussagefähigkeit künftig auf die Kennzahlen von „RWE alleine“ ab. Sie enthalten die Bereiche Braunkohle und Kernenergie, die europäische Stromerzeugung sowie den Energiehandel. Dazu kommt die Innogy-Dividende.

Eon-Chef Johannes Teyssen (l) und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz geben sich die Hände

Eon und RWE besiegeln Energie-Allianz. | Bildquelle: dpa

Braunkohle und Kernenergie schwächeln

Im wichtigen Segment Braunkohle und Kernenergie ging das bereinigte Ergebnis (Ebitda) von 401 Millionen Euro im Vorjahr auf 167 Millionen zurück. „Hauptgrund dafür waren die gegenüber dem Vorjahr niedrigeren realisierten Großhandelspreise für Strom“, heißt es. Wie das RWE-Management mitteilt, lasse sich bei den Stromgroßhandelspreisen zwar ein Aufwärtstrend beobachten.

Von der derzeitigen Erholung profitierte RWE gleichwohl nur bedingt. Das Unternehmen hat die Strommenge aus seinen Braunkohle- und Kernkraftwerken zu niedrigeren Preisen zu einem früheren Zeitpunkt auf Termin verkauft.

Hinzu sei eine geringere Stromproduktion gekommen, unter anderem bedingt durch die Stilllegung von Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen zum Jahresende 2017 sowie durch geplante Wartungsarbeiten.

Fette Dividende von Innogy

Auch im Geschäft mit der internationalen Stromerzeugung und im Energiehandel verdiente RWE weniger, wobei der Energiehandel nach einem schwachen Jahresstart aufholen konnte. Von Innogy floss RWE im zweiten Quartal eine unveränderte Dividende von 683 Millionen Euro zu.

Für „RWE alleine“ wies der Konzern ein bereinigtes Ebitda von 1,14 Milliarden Euro aus, nach 1,44 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das lag etwa im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Das Nettoergebnis von „RWE alleine“ sank bereinigt von 883 auf 683 Millionen Euro.

Die Aktie ist beliebt

Die Aktie hatte sich in den vergangenen Wochen ziemlich stark entwickelt. Allein im letzten halben Jahr legte sie um mehr als 30 Prozent zu und kratzte wieder an der Marke von 23 Euro. Vor allem die Vereinbarung mit Eon hat noch einmal einen kräftigen Schub gegeben. Nach den Zahlen legt sie heute im frühen Handel um mehr als 1,5 Prozent zu.

Schon im ersten Quartal hatte RWE Federn lassen müssen: Zu Jahresbeginn hatte RWE unter dem Strich 34,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal weniger verdient. Hauptgrund war auch zu Jahresbeginn, dass RWE für den Strom der Braunkohle- und Kernkraftwerke einen niedrigeren Großhandelspreis erzielt habe als 2017.