RWE-Zentrale in Essen
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Entschädigungspläne der Kohle-Kommission Kriegt RWE Extra-Kohle für seine Kohle?

Stand: 23.01.2019, 11:15 Uhr

Die RWE-Aktien sind am Vormittag in die Höhe gesprungen. Dem Betreiber von zahlreichen Kohlekraftwerken winkt eine üppige Entschädigung bei einem vorzeitigen Kohleausstieg. Unklar ist, wie hoch diese ausfallen wird.

Seit Wochen streitet die Kohlekommission der Regierung über den Weg raus aus der klimaschädlichen Kohleverstromung. Eigentlich sollte ein entsprechender Fahrplan schon vor Weihnachten präsentiert werden. Nun endlich sickern allmählich Details zu möglichen Ausstiegskonzepten durch. Bis 25. Januar soll ein Abschlussbericht vorliegen.

600 Millionen pro Gigawatt?

Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, schlägt die Kohlekommission wegen des vorzeitigen Abschaltens von Meilern eine umfangreichere Entschädigung für die Betreiber vor als bisher bekannt. Zudem sollen industrielle und auch private Stromverbraucher vor einem möglichen Preisanstieg geschützt werden, heißt es im Entwurf eines Kern-Teams der Kommission, den das gesamte Gremium am Freitag beschließen soll. "Es ist ein Ausgleich zu schaffen, der Unternehmen und private Haushalte vom Strompreisanstieg entlastet, der durch die politisch beschleunigte Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung entsteht", heißt es in einem Papier, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Entschädigungssummen werden nicht genannt. Sie könnten sich aber an den Beträgen orientieren, die vor einigen Jahren für Kraftwerke gezahlt wurden, die dann als Reserve dienten. Damals wurden rund 600 Millionen Euro pro Gigawatt Leistung gezahlt. Insgesamt sind noch Kohlekraftwerke mit etwa 43 Gigawatt am Netz. Nur wenn es bis Mitte 2020 zu keiner Einigung auf Entschädigungen kommt, droht staatlicher Zwang mit möglichen negativen Folgen für die Kraftwerksbetreiber.

Aktie von RWE im Aufwind

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aussicht auf einen einvernehmlichen Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland treibt die Aktien von RWE an. Sie legen bis zum Mittag um über vier Prozent zu und sind Dax-Spitzenreiter. Ein Händler sagte, dass Analysten und Investoren bei der Berücksichtigung von Entschädigungen beim Kohleausstieg in ihren Erwartungen bislang eher zurückhaltend gewesen seien. "Das könnte sich nun zunehmend ändern und wird am Markt entsprechend im Kurs eingepreist", sagte der Händler. RWE betreibt mehrere Kohlekraftwerke.

Die Aktie von Eon steigt ebenfalls deutlich, obwohl die Essener nicht mehr direkt in der Kohleproduktion tätig sind.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In dem Entwurf wird offengelassen, wann der letzte Kohlemeiler abgeschaltet werden soll. Es wird aber als Option angeboten, Kraftwerke auch nach dem eigentlichen Ausstieg zur Sicherung der Versorgung noch in Reserve zu halten. Bis 2030 soll der Kohlekraftwerkspark mit heute 20.000 Megawatt Braun- und 23.000 Megawatt Steinkohle auf etwa 20.000 Megawatt mehr als halbiert werden. Der endgültige Kohleausstieg wird zwischen 2035 und 2040

RWE richtet sich künftig neu aus und will zu einem der führenden Ökostrombetreiber Europas werden. Die Essener übernehmen das Geschäft der erneuerbaren Energien von Eon und Innogy. Das Netz- und Vertriebsgeschäft verkauft RWE an Eon.

nb