RWE- und Eon-Logos
Audio

Eon und RWE ordnen Energiemarkt neu Aufsichtsräte beider Versorger billigen Innogy-Deal

Stand: 11.03.2018, 12:21 Uhr

Die Aufsichtsräte von Eon und RWE haben grünes Licht für die Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy gegeben. Die beiden Energie-Riesen wollen Innogy untereinander aufteilen.

RWE wird das Geschäft mit erneuerbaren Energie bekommen und zudem Eons Aktivitäten in dem Bereich übernehmen. Eon will sich künftig vor allem auf Energienetze konzentrieren. Die Versorger haben dazu eine Grundsatzeinigung erzielt, wie die beiden Konzerne der Nacht auf Sonntag mitteilten. Eon will demnach den gesamten RWE-Anteil an Innogy von knapp 77 Prozent übernehmen. RWE erhält dafür zunächst einen Anteil von knapp 17 Prozent an Eon; die Anteile werden aus einer Sachkapitalerhöhung stammen. Dann werden die diversen Geschäftsteile hin- und hergetauscht. RWE zahlt als Ausgleich noch 1,5 Milliarden Euro an Eon.

Bindende Verträge wurden noch nicht abgeschlossen. Vor Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung bedürfe es noch der Zustimmung der Gremien von Eon und RWE. Die Durchführung der gesamten Transaktion sei in mehreren Schritten geplant und stehe unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung, hieß es. Eon hatte erst vor kurzem den noch verbliebenen knapp 47-prozentigen Anteil an der früheren Kraftwerktstochter Uniper an den finnischen Energieversorger Fortum abgegeben.

Übernahmeangebot für Innogy

Den Innogy-Aktionären unterbreitet Eon ein freiwilliges Übernahmeangebot. Dabei sollen die Anteilseigner nach aktuellem Stand 40 Euro je Aktie in bar erhalten. Dieser Wert setzt sich aus einem Angebotspreis von 36,76 Euro je Aktie sowie den Zahlungen aus den unterstellten Dividenden der innogy von 3,24 pro Aktie für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 zusammen. "RWE würde sich an dem Angebot nicht beteiligen", hieß es weiter. An der Börse hatte eine Innogy-Aktie zuletzt 34,53 Euro gekostet.

RWE hatte das eigene Geschäft mit erneuerbaren Energien, dem Vertrieb und dem Netz erst im Frühjahr 2016 unter dem Dach von Innogy gebündelt und dann im Oktober 2016 darauf an die Börse gebracht. Seitdem hält RWE noch knapp 76,8 Prozent an Innogy. RWE behielt die konventionellen Großkraftwerke und den Strom-Großhandel.

Sobald Eon die Kontrolle über Innogy erhalten hat, soll der größte Teil des Gesamtgeschäfts mit Erneuerbaren Energien an RWE gehen. RWE bekommt zudem weitere Geschäftsteile: von Innogy das Gasspeichergeschäft und den Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag; von Eon die Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen.

So wird aufgeteilt

Damit wird RWE am Ende über erneuerbare und konventionelle Stromversorgung verfügen. Eon wird das Geschäft mit Energienetzen und Dienstleistungen rund um Energie kontrollieren. Die Stromnetze sind schon jetzt der verlässlichste Gewinnbringer von Eon, zuletzt steuerten sie rund 65 Prozent der Erträge bei.

Logos von RWE und Innogy

RWE und Innogy. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Über einen Verkauf von Innogy ist in den vergangenen Monaten wiederholt spekuliert worden. Noch vor einer Aufsichtsratssitzung am vergangenen Dienstag hatte das Unternehmen versichert, es würden bei dem Treffen "keine wie auch immer gearteten Szenarien in Bezug auf einen Verkauf des Unternehmens behandelt". Innogy hat rund 44.000 Mitarbeiter und wurde an der Börse zuletzt mit knapp 20 Milliarden Euro bewertet.

Der bislang wichtigste Gewinnbringer von RWE steht seit geraumer Zeit unter Druck. Wegen andauernder Probleme auf dem britischen Markt musste Innogy die Gewinnprognose für 2017 kappen. Nach einem Absturz des Aktienkurses und zunehmender Kritik räumte Vorstandschef Peter Terium seinen Posten. Der Aufsichtsrat um den Mehrheitseigentümer RWE mahnte Kostendiszplin und eine focussierte Investitionsstrategie an. Seitdem führt Personalvorstand Uwe Tigges kommissarisch den Vorstand.

dpa