RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim

Gewinneinbruch RWE verdient weniger Kohle

Stand: 14.03.2019, 07:34 Uhr

Die Energiewende belastet RWE. Der Essener Versorger hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Braunkohle und Kernenergie produziert. Deshalb schmolz der Gewinn zusammen. Welche Spuren der Kohleausstieg künftig hinterlässt, ist noch unklar.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz rechnet bereits bis 2023 mit einem signifikanten Stellenabbau wegen des geplanten Endes der Kohleverstromung. Alleine bis 2022 sollen rund 3,1 Gigawatt Braunkohle-Kapazität zusätzlich vom Netz genommen werden. Bei der Bilanzpressekonferenz heute Vormittag wird sich Schmitz voraussichtlich zu den Folgen der Abschaltung von Kraftwerken äußern.

Künftig setzt RWE mehr auf Öko(strom)

Schmitz setzt auf den Umbau des Versorgers durch die Zerschlagung der Tochter Innogy. RWE will im Zuge des Deals mit Eon die Ökostromgeschäfte von Innogy und die von Eon übernehmen. Die neue Gesellschaft soll RWE Renewables heißen und sich auf die Kernmärkte in Europa, Amerika und neue Märkte im asiatisch-pazifischen Raum konzentrieren. Schmitz erklärte, dass es im Fall eines ungeordneten Brexit Verzögerungen geben könne, er sei aber zuversichtlich, dass der Fahrplan eingehalten werde.

Vor dem Umbau und der Innogy-Zerschlagung hat RWE deutlich weniger Kohle verdient. Wegen der geringeren Stromerzeugung bei Braunkohle und Kernenergie und auch wegen der niedrigeren Strom-Großhandelspreise brach das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 1,5 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr hatte das operative Ergebnis noch bei 2,1 Milliarden Euro gelegen. Analysten hatten im Schnitt mit 1,6 Milliarden gerechnet.

Fast 40 Prozent weniger Gewinn

Der bereinigte Überschuss schmolz 2018 auf 591 Millionen von 973 Millionen Euro zusammen. Allein im Segment Braunkohle & Kernenergie schrumpfte das operative Ergebnis auf 356 Millionen von 671 Millionen Euro zusammen. Hier wirkte sich auch die Abschaltung des AKW Gundremmingen im Zuge des Atomausstiegs negativ aus.

Trotz des Gewinneinbruchs will RWE seinen Aktionären für 2018 eine ordentliche Dividende von 70 Cent je Aktie und für 2019 von 80 Cent je Anteilsschein zahlen. 2017 waren es noch 1,50 Euro gewesen. Allerdings war darin eine Sonderdividende von einem Euro im Zusammenhang mit Rückzahlungen zu Unrecht gezahlter Atomsteuern enthalten. Für das neue Geschäftsjahr kündigte RWE eine Ausschüttung von 0,80 Euro je Aktie an.

Hambacher Forst belastet Bilanz in diesem Jahr

Für 2019 erwartet der Energiekonzern bestenfalls ein stabiles Ergebnis. Das bereinigte Ebitda soll in der Bandbreite von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro liegen, das bereinigte Nettoergebnis zwischen 300 und 600 Millionen Euro. Zwar sieht RWE eine leichte Erholung bei den Strompreisen, dagegen belastet der Rodungsstopp im Hambacher Forst. Zudem wirke sich die Entscheidung, den britischen Kapazitätsmarkt auszusetzen, negativ aus.

In den Zahlen ist die Tochter Innogy, die derzeit von Eon übernommen wird, nicht mehr konsolidiert. Sie enthalten die Bereiche Braunkohle und Kernenergie, die europäische Stromerzeugung sowie den Energiehandel. Dazu kommt die Innogy-Dividende. RWE Stand alone umfasst die Kerngeschäftsfelder Braunkohle & Kernenergie, Europäische Stromerzeugung und Energiehandel sowie die Dividende von Innogy.

RWE-Aktien im Minus

Die RWE-Bilanz und der -Ausblick gefallen den Anlegern nicht. Die Aktien des Versorgers sacken um fast drei Prozent ab. Zuletzt hatten sich die Papiere deutlich erholt. Seit Ende Oktober haben die Versorgertitel gut 27 Prozent zugelegt.

nb