RWE-Elektrostomtankstelle in Zagreb, Kroatien

Prognose angehoben RWE auf dem Weg zum Öko-Riesen

Stand: 14.11.2019, 09:40 Uhr

Der Energiekonzern RWE hat seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2019 angehoben. Das Handelsgeschäft läuft glänzend und aus Großbritannien wird weiterer Rückenwind erwartet. Die Anleger sind nicht beeindruckt.

Vorbörslich rückten die Titel zwar um rund zwei Prozent vor, aktuell liegen sie im Dax jedoch mit einem Minus von fast drei Prozent auf dem letzten Platz. In den vergangenen zwölf Monaten haben RWE-Aktien bereits um mehr als 40 Prozent zugelegt. Die neuen Zahlen werden gut aufgenommen.  

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebitda) von RWE Stand alone, ohne operative Beiträge der früheren Tochter Innogy, sei in den ersten neun Monaten auf 1,5 Milliarden Euro geklettert. Das sind 200 Millionen mehr als vor Jahresfrist.

 Die Zuwächse seien vor allem dem schwankenden Energiehandel zu verdanken. Im laufenden Geschäftsjahr werde RWE aber auch von der Wiederaufnahme des britischen Kapazitätsmarktes profitieren. Daher rechne der Versorger im Gesamtjahr mit einem bereinigten Ebitda von 1,8 bis 2,1 Milliarden Euro. Bislang hatte der Konzern 1,4 bis 1,7 Milliarden in Aussicht gestellt.

"Hervorragende Perspektiven"

Besonders im Handelsgeschäft lief es gut, das operative Ergebnis verdreifachte sich auf 545 Millionen Euro. Im europäischen Erzeugungsgeschäft schrumpfte das Ergebnis hingegen um rund 100 Millionen Euro auf 130 Millionen Euro. Nachdem die EU-Kommission den britischen Kapazitätsmarkt genehmigt hat, soll sich das Blatt aber deutlich wenden. Der Konzern rechnet für 2018 und 2019 mit einer Nachzahlung in Höhe von insgesamt 230 Millionen Euro.

Der noch vor wenigen Jahren wankende Energieriese bestätigte sein Dividendenziel für 2019 von 80 Cent je Aktie. "Wir haben eine finanzielle Basis, die wieder Wachstum ermöglicht gerade im Geschäft mit erneuerbaren Energien, wo wir über eine hervorragende Perspektive verfügen. Das sind gute Gründe, die anstehenden Aufgaben mit großem Optimismus anzugehen", sagte Finanzchef Markus Krebber.

Was bisher geschah

Nachdem die EU den Deal mit Eon und die Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy im September genehmigt hat, wird RWE zum Ökostromproduzenten. RWE übernimmt die erneuerbaren Energien von Innogy und Eon. Damit wird der Dax-Konzern zu einem der international führenden Unternehmen beim Ökostrom.

Bei Strom aus Windkraftanlagen auf See rangiert RWE nach eigenen Angaben sogar weltweit auf Platz zwei. Der Ex-Rivale Eon übernimmt von Innogy die beiden Sparten Netze und Vertrieb. Von den kürzlich übernommenen Eon-Aktivitäten erwartet der Konzern bis zum Jahresende ein bereinigtes Ebitda von 200 bis 300 Millionen Euro.

RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim

RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In Deutschland produziert RWE derzeit aber noch viel Strom aus der als besonders klimaschädlich geltenden Braunkohle. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Der Energiekonzern RWE will bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden. Neben Strom aus Wind und Sonne will der Energieriese künftig auf Biomasse und auf "grünes" Gas setzen.

ts