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Energiehandel floriert RWE hebt Prognose an

Stand: 30.07.2019, 14:56 Uhr

Der Versorger macht Anlegern Freude wie lange nicht. Nach einer Prognoseanhebung erreichte die Aktie den höchsten Stand seit 2015. Auch wenn die heutigen Kursgewinne in der schwachen Börsenphase nicht lange gehalten werden - bei RWE scheint wieder etwas zu gehen.

Der Konzern, der sich derzeit komplett umstrukturiert, hat seine Prognosen für das operative Ergebnis und den Nettogewinn im laufenden Jahr überraschend nach oben korrigiert. RWE erwartet daher nun für sein Kerngeschäft für 2019 ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro. Zuvor war man von 1,2 bis 1,5 Milliarden ausgegangen.

Auch unter dem Strich wird RWE zuversichtlicher. Das bereinigte Nettoergebnis soll zwischen 500 und 800 Millionen Euro liegen, nach zuvor prognostizierten 300 bis 600 Millionen Euro. Die Zahlen beziehen sich auf "RWE alleine". Die Tochter Innogy wird nicht mehr konsolidiert, weil sie derzeit von Eon übernommen wird.

Auf erneuerbare Energien gesetzt

RWE will sich vom Kohlekonzern in einen der größten Anbieter von erneuerbaren Energien wandeln. Die dazu mit dem Konkurrenten Eon vereinbarte Transaktion steht dabei nach Aussagen von Finanzvorstand Markus Krebber vom Dienstag kurz vor der Umsetzung. RWE will Innogy im Zuge eines großangelegten Geschäftetauschs an Eon verkaufen und soll im Gegenzug mit knapp 17 Prozent an dem Konkurrenten beteiligt werden. Eon behält dabei das Netzgeschäft und den Stromvertrieb von Innogy, die erneuerbaren Energien beider Konzerne sollen unter dem Dach von RWE vereint werden.

Und gerade Energiehandel hat im ersten Halbjahr mit einem außergewöhnlich hohen Ergebnis abgeschlossen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. RWE hatte bereits im ersten Quartal von einer guten Entwicklung im Energiehandel profitiert. Damals blieb das Management jedoch ob der starken Volatilität des Geschäfts vorsichtig und behielt die Prognose für die Sparte bei.

Ist noch mehr drin?

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Mit der guten Entwicklung im Handelsgeschäft hat RWE den Markt positiv überrascht, so Analyst Peter Crampton von der Barclays Bank. Der Gewinn im Energiehandel liege weit über der ursprünglichen Zielvorgabe des Unternehmens. Allerdings dürften Investoren die höhere Gewinnprognose noch immer als "konservativ" einschätzen, vermutete der Experte, denn RWE könne im Energiehandel im weiteren Jahresverlauf noch stärker zulegen.

Die Ergebnisprognosen für die übrigen Bereiche behielt RWE bei. Für das Geschäft mit Braunkohle und Kernenergie erwartet der Energiekonzern 300 bis 400 Millionen Euro. Dabei war die Stromproduktion aus Braunkohle im zweiten Quartal weiter rückläufig. Grund waren die Überführung von zwei Kraftwerken in die Sicherheitsreserve Ende 2018 sowie die Beschränkungen am Tagebau Hambach. In der Europäischen Stromerzeugung prognostiziert RWE ein bereinigtes Ebitda am unteren Ende der Bandbreite von 250 bis 350 Millionen Euro. Die Stromproduktion aus Steinkohle sank im zweiten Quartal ebenfalls deutlich. Dagegen stand eine steigende Stromerzeugung aus Gas.

Die Aktie von RWE hatte bereits im Spätherbst 2018 eine Trendwende vollzogen. Von 17 Euro im November hat sich der Titel auf inzwischen fast 25 Euro nach oben gehangelt. Damit hat sich die Versorgeraktie auch deutlich besser entwickelt als der Dax.

AB