Proteste gegen die Räumung des Hambacher Forsts Imageschaden für RWE?

Stand: 21.09.2018, 12:05 Uhr

Während der Dax in den letzten Tagen zulegte, ist die RWE-Aktie zuletzt etwas abgerutscht. Die Negativ-Schlagzeilen zu den Protesten gegen die geplante Rodung des Hambacher Forsts belasten zunehmend den Kurs.

Seit Jahresbeginn gehören die RWE-Titel zu den Dax-Outperformern. Sie haben gut 25 Prozent gewonnen. Nun aber könnte sich der Wind drehen. In den letzten zehn Tagen zählt die RWE-Aktie zu den wenigen Dax-Verlierern. Während der deutsche Leitindex um über drei Prozent nach oben sprang, gaben die Titel des Essener Versorgers um vier Prozent nach.

Ein möglicher Grund könnten die seit Tagen anhaltenden Proteste von Umweltschützern und Kapitalismus-Kritikern gegen die Räumung des Hambacher Forsts sein. Die Bilder der Demonstranten gingen durch alle TV-Sender. Der tragische Todesfall eines Bloggers war der traurige Höhepunkt.

Defensive Werte verlieren an Attraktivität

Noch sehen Analysten keinen direkten Einfluss der Ereignisse rund um den Hambacher Forst auf den Börsenkurs. Die jüngsten Kursverluste erklärt Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler eher mit einer Umschichtung von defensiven Versorgerwerten in riskantere Titel.

Auch bei RWE will man nichts wissen von einem Zusammenhang zwischen den Protestaktionen im Hambacher Forst und dem Kursminus. Nicht die Negativschlagzeilen über die bevorstehende Forsträumung, sondern die Gewinnwarnung eines britischen Versorgers habe zuletzt die Aktien von RWE gedrückt, betonen die IR-Manager in Essen.

Rodungsverzicht würde Milliarden kosten

Tatsächlich steckt RWE in einem echten Dilemma. Hält der Versorger an der geplanten Rodung fest, setzen sich die Proteste fort. Das könnte zu einem echten Reputationsschaden für RWE werden. Schon jetzt üben Investoren wie die Deka Kritik an der Corporate Governance des Versorgers.

Sollte RWE einlenken und womöglich gar die umstrittene Räumung des Walds nicht durchführen, käme das die Essener freilich wohl noch teurer. Ein Verzicht auf die Waldrodung würde RWE vier bis fünf Milliarden Euro kosten, erklärte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" am Donnerstag. "Die Annahme, dass der Forst gerettet werden kann, das ist Illusion", sagte Schmitz. Er sei tief betroffen, dass für eine solche Illusion, für ein solches Symbol ein Mensch gestorben sei.

Früheres Ende der Kohlekraftwerke?

Möglicherweise beeinflussen die tagelangen Protestaktionen im Hambacher Forst auch die Diskussion um die Zukunft des Tagebaus. Laut einem Bericht des "Spiegel" soll Ronald Pofalla, einer der vier  Vorsitzenden der Kohlekommission, 2035 bis 2038 als Enddatum für die den Betrieb der Kohlekraftwerke vorgeschlagen haben. RWE und die Gewerkschaft IG BCE gehen gegen diese Pläne auf die Barrikaden.