Luftaufnahme der RWE-Zentrale in Essen

Kurs auf Milliardengewinn RWE: Da geht noch was

Stand: 13.11.2017, 15:19 Uhr

RWE-Aktionäre können sich freuen: Die Aktie des Energieversorgers hat in diesem Jahr fast 80 Prozent zugelegt. Und noch ist das Kurspotenzial nicht ausgereizt - behaupten Analysten.

Glaubt man den Prognosen der Experten, ist RWE nach den ersten neun Monaten weiter auf Kurs zu einem Milliardengewinn in diesem Jahr. Dabei profitiert der Konzern weiter von der Rückzahlung ungerechtfertigter Atomsteuern, höheren Energiepreisen sowie der guten Entwicklung seiner Tochter Innogy.

Analyst Martin Brough von der Deutschen Bank erwartet ein Wachstum des Ergebnisses (Ebitda) um neun Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Ohne die Beiträge von Innogy, an der RWE noch gut 77 Prozent hält, geht der Experte von 1,7 Milliarden Euro aus.

Hohe Rückzahlung

RWE profitiert in erster Linie von der Rückzahlung der ungerechtfertigten Atomsteuer in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus stehen dem Konzern rund 250 Millionen Euro an Zinsen zu, die noch im Laufe des Jahres fließen sollen. RWE hat deswegen bereits eine Sonderausschüttung von 1,00 Euro je Aktie für die Aktionäre angekündigt.

Innogy legte am Morgen solide Zahlen vor. Zwar belastete das schwache britische Vertriebsgeschäft die RWE-Tochter weiterhin, so musste Innogy fast eine halbe Milliarde Euro auf die Sparte Npower abschreiben. Bereinigt darum konnte Innogy jedoch sein Ergebnis zum Teil deutlich verbessern.

Höheres Ergebnis erwartet

Im Blick stehen bei RWE unter anderem die weitere Entwicklung. Der Konzern erwartet 2017 ein bereinigtes Ebitda von 5,4 bis 5,7 Milliarden Euro, nach 5,4 Milliarden im Vorjahr. Dabei hatte das Management bei den Halbjahreszahlen bereits angekündigt, das obere Ende der Spanne erreichen zu wollen. Das bereinigte Nettoergebnis sieht der Konzern bislang bei 1 bis 1,3 Milliarden Euro.

Ebenfalls von Interesse dürften Aussagen zu den Jamaika-Sondierungsgesprächen in Berlin und einem in diesem Zusammenhang möglichen Aus der Kohleverstromung stehen. RWE setzt nach wie vor stark auf Kohle und wäre von einem eventuellen Stichtag zum Ausstieg aus der Kohle stark betroffen.

EDF wirft Schatten auf Konkurrenten

Für Aufsehen sorgt auch die Gewinnwarnung des französischen Stromversorgers EDF. Der staatlich kontrollierte Konzern kassierte am Montag seine Ergebnisziele für das kommende Jahr ein und rechnet mit einer geringeren Atomstrom-Produktion. Das verursachte den größten Kursrutsch der Aktie seit zehn Jahren und belastete auch die Papiere von Eon und RWE.

EDF setzen die vom Staat verordneten Zwangsabschaltungen von Atomkraftwerken zu, die den technischen Anforderungen nicht mehr entsprechen und modernisiert werden müssen. So musste der Versorger zuletzt den Neustart der vier Reaktoren des Kraftwerks Tricastin in Südfrankreich verschieben. Zudem ächzt EDF unter Schulden in Höhe von 31 Milliarden Euro.

Trotz all dieser Unwägbarkeiten hat Deutsche Bank-Analyst Martin Brough die RWE-Aktie vor Zahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 25 Euro belassen.

lg