Händler vor einer Kurstafel an der Börse Moskau

Pulverfass Krim Schockwellen aus Russland lassen Europa zittern

Stand: 03.03.2014, 15:00 Uhr

Die schwere Krise zwischen Russland und der Ukraine wegen der Halbinsel Krim hinterlässt tief Spuren. Kursstürze an den Börsen, steigende Öl- und Goldpreise. Auch der deutsche Aktienmarkt leidet.

Der Dax in Frankfurt fällt zeitweise um mehr als drei Prozent auf bis zu 9.387 Punkte. Im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine überschlagen sich die Ereignisse. Eine militärische Auseinandersetzung wird immer wahrscheinlicher, nachdem Russland immer aggressiver vorgeht.

Öl und Gold klettern

Während die Börsen fallen, legen die Rohstoffpreise zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete um die Mittagszeit 111,37 Dollar. Das waren 2,30 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Ölsorte WTI stieg um 1,74 Dollar auf 104,33 Dollar.

Russland ist mit einem Anteil von mehr als zehn Prozent einer der größten Öl-Produzenten weltweit. Ein Großteil des Exports geht dabei nach Europa. Rund 70 Prozent der russischen Gas- und Ölexporte werden durch die Ukraine geleitet; 90 Prozent der russischen Lieferungen sind für Europa bestimmt.

Die Bundesregierung betonte, dass es derzeit überhaupt keine Anzeichen für Lieferengpässe bei Gas und Rohöl aus Russland gebe. Die Gasspeicher seien gut gefüllt, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Deutschland habe die viertgrößten Kapazitäten weltweit und sei auf mögliche Lieferengpässe gut vorbereitet.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Wie immer bei geopolitischen Krisen flüchten sich die Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen Gold. Dessen Preis strebt zu Wochenbeginn beschleunigt nach oben. Für eine Feinunze mussten am Morgen bis zu 1.350 Dollar bezahlt werden. Das war der höchste Stand seit Ende Oktober vergangenen Jahres. In Euro berechnet kletterte der Goldpreis bis auf 980.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Crash in Russland

Noch tiefer als in Frankfurt sinken die Preise an der Moskauer Aktienbörse: Dort brach der Index Micex um zwölf Prozent ein und notierte mit 1.281,59 Zählern auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Juni 2013. Er beinhaltet die 50 meist gehandelten Aktien der größten russischen Unternehmen, dessen Werte in Rubel notieren. Die in Dollar notierten russischen Aktien von Gazprom leiden mit einem Verlust von bis zu 17 Prozent noch mehr. Die Titel von Russlands größtem Geldinstitut Sberbank verlieren gut 16 Prozent.

Der Index RTS brach sogar um 13 Prozent auf ein Viereinhalb-Jahres-Tief von 1.107 Punkten ein. Das ist der größte Tagesverlust seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 und der niedrigste Stand seit September 2009. "Wie so häufig in Krisenzeiten setzt nicht die eigentliche Krise den Aktien zu, sondern die Verunsicherung", betonte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Der russische Rubel fiel gegenüber dem Euro und dem Dollar um mehr als drei Prozent. Mit 50,3 beziehungsweise 36,5 Rubel waren die zwei Leitwährungen so teuer wie noch nie zuvor. Damit setzt sich der seit knapp einem Jahr anhaltende Abwärtstrend der russischen Währung fort. Die russische Zentralbank hob deshalb am Morgen den Leitzins überraschend von 5,5 auf 7,0 Prozent an.

Verwerfungen am Anleihemarkt

Zudem stehen die Kurse ukrainischer und russischer Staatsanleihen unter Druck. Im Gegenzug stiegen die Renditen. Zweijährige ukrainischer Schuldtitel verzinsten um 3,9 Prozentpunkte höher bei 16,7 Prozent. Russische Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit rentierten mit 7,6 Prozent, das waren 0,8 Punkte mehr als am Freitag. Die Rückzahlung der Staatsanleihen zum Laufzeitende ist natürlich Voraussetzung für die tatsächliche Erzielung der genannten Renditen. Die absolute Höhe zeigt, dass der Markt insbesondere im Fall Ukraine genau daran zweifelt.

Deutsche Bundesanleihen proftieren dagegen von der Furcht der Anleger. Der Euro-Bund-Future stieg bis zum Mittag um 0,57 auf einen Stand von 145,21. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug um sieben Basispunkte auf 1,55 Prozent.

Russland gehe zu einem Zeitpunkt in den Konflikt, zu dem sich die Wachstumsperspektiven ohnehin strukturell verschlechtert hätten, meint die Unicredit-Volkswirtin Gillian Edgeworth. Angesichts des Engagements russischer Banken und anderer Unternehmen in der Ukraine seien die Folgen einer Schwächung der ukrainischen Wirtschaft für Russland nur schwer abzuschätzen.

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Droht eine Krise der Weltwirtschaft?

Noch etwas weiter geht Ric Spooner von CMC Markets. Die Hauptsorge der Märkte sei derzeit der Frage, wie wahrscheinlich eine Eskalation ist. Nach Einschätzung von Ökonomen dürfte eine Eskalation weltweit Folgen für die Wirtschaft haben. Aus europäischer und globaler Sicht verstärke sich damit die ohnehin vorhandene Unsicherheit, die derzeit immer noch eine erhebliche Bürde für einen stabilen globalen Aufschwung sei.

ME