Serie American Gods der RTL_Produktionstochter Fremantle

Geschäfte angekurbelt RTL-Zahlen eine Show

Stand: 06.11.2019, 11:41 Uhr

Der TV- und Radiokonzern RTL Group hat dank des Digital-Geschäfts sowie Serien wie "American Gods" in den letzten neun Monaten mehr umgesetzt. Die Börse reagiert dennoch enttäuscht.

Die im MDax notierte Aktie dreht ins Minus, nachdem sie im Oktober kräftig gestiegen war. Dabei ist es dem TV- und Radiokonzern gelungen, sich trotz Schwierigkeiten im Kerngeschäft mit steigenden Umsätzen im Streamingbereich zu behaupten.

So sind die Erlöse in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um rund drei Prozent auf 4,6 Milliarden Euro gestiegen, bereinigt um Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe sogar noch etwas mehr. Den Ausblick für das laufende Jahr bestätigte das Management. Angaben zur Gewinnentwicklung wurden nicht gemacht.

Ausbau von Digitalangeboten

RTL steckt derzeit viel Geld in den Ausbau seiner Streaming-Dienste wie die Plattform TV Now. Das zahlt sich trotz des harten Wettbewerbs aus: Ende September hatte der Konzern in Deutschland und den Niederlanden 1,4 Millionen zahlende Abonnenten - 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Video-on-Demand-Umsatz legte um fast ein Viertel auf 183 Millionen Euro zu, die gesamten Digitalumsätze kletterten um 14 Prozent auf 755 Millionen Euro.

Das schnelle Wachstum der Streaming-Dienste habe die eigenen Erwartungen übertroffen, sagte der neue Unternehmenschef und gleichzeitige Vorsitzende der Bertelsmann-Mutter, Thomas Rabe. RTL werde die Ambitionen und Investitionen in diesem Bereich somit deutlich erhöhen.

Einnahmen mit TV-Werbung gesunken

Mit ihrem Kassenschlagern "American Gods" und "American Idol" treibt die RTL-Produktionstochter Fremantle das Wachstum des Konzerns seit einiger Zeit zusätzlich voran. Die Erlöse kletterten hier im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Management in diesem Bereich ein währungsbereinigtes Umsatzplus von bis zu zwölf Prozent.

Problematisch bleibt es allerdings im klassischen TV-Werbegeschäft, dem mit Abstand größten Standbein von RTL. Hier gingen die Umsätze in den ersten neun Monaten um zwei Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurück. In Deutschland sei das Geschäft mit Blick auf den leicht gestiegenen Marktanteil in der Kernzielgruppe nicht ganz so stark zurückgegangen wie im Gesamtmarkt.

Verkauf von Töchtern und Beteiligungen

Als Hauptgrund für den Rückgang nannte das Unternehmen den Verkauf von Töchtern. Ende Februar hatte RTL Universum Film an den Finanzinvestor KKR verkauft, der sich zuletzt auch mehr als 40 Prozent der Anteile an Axel Springer gesichert hatte. Die französische RTL-Tochter M6 hatte zudem Ende 2018 den dortigen Erstliga-Fußballclub "Girondins de Bordeaux" für 100 Millionen Euro an den US-Investmentfonds GACP verkauft. Beides drückte somit auf die Sendergeschäfte von RTL.

Analysten hielten sich mit Einschätzungen zu den Halbjahresergebnissen zurück. Mit Blick auf das dritte Quartal hat der Umsatz die Erwartungen erfüllt, wie Goldman Sachs-Expertin Lisa Yang in einer ersten Reaktion schrieb. Sie beließ ihre Einstufung auf "Neutral" und das Kursziel bei 48 Euro.

Auf Jahressicht hat die Aktie bislang gut 15 Prozent an Wert verloren, seit Jahresbeginn dagegen um rund dreieinhalb Prozent zugelegt. Damit rangiert sie im Branchenvergleich aber immer noch auf den hinteren Plätzen.

lg/dpa-afx/rtr