Girondins Bordeaux-Fans mit Vereinsfahne am Stadionzaun

Rekorddefizit von Girondins de Bordeaux RTL: Verluste aus Frankreich

Stand: 17.05.2018, 11:54 Uhr

Wegen hoher Verluste des konzerneigenen Fußballclubs Girondins de Bordeaux müssen der Fernseh- und Radiokonzern RTL sowie seine Mutter Bertelsmann zu Jahresbeginn einen Gewinnrückgang verbuchen. Die Anleger sind enttäuscht.

Die im MDax notierte RTL-Aktie verliert mehr als fünf Prozent und ist damit der mit Abstand schwächste Wert in dem Index. Damit notiert das Papier wieder auf dem Niveau von Anfang Januar.

Grund für die Verstimmung sind die Verluste des französischen Fußballclubs Girondins de Bordeaux, der von der französischen RTL-Tochter M6 konsolidiert wird. Wie hoch die Verluste im ersten Quartal ausgefallen sind, teilt der Konzern zwar nicht mit. In der von M6 veröffentlichten Mitteilung heißt es aber, dass sich das Defizit im ersten Quartal um 12,8 Millionen Euro erhöht habe. Dadurch ist das Ebitda der französischen Tochter auf 44,6 Millionen Euro gesunken, nach 47,1 Millionen im gleichen Vorjahreszeitraum.

Schlechter als erwartet

Dass der Rückgang nicht noch höher ausfällt, liegt am gut laufenden TV-Werbegeschäft in den Kernmärkten Deutschland, Frankreich und Niederlande. Der Konzern wurde jedoch auch vom starken Euro belastet. Dies schmälerte die Beiträge, die die Produktionstochter Fremantle aus ihren wichtigen Märkten USA und Großbritannien an die RTL-Zentrale in Luxemburg überwies.

In der Folge sank das Ebitda von RTL um 1,9 Prozent auf 259 Millionen Euro. Analysten hatten mit 268 Millionen Euro gerechnet. Der Nettogewinn brach um 19 Prozent auf 111 Millionen Euro ein. Erwartet worden waren 140 Millionen Euro. RTL bekräftigte dennoch seine Jahresprognose.

Danach soll der Umsatz trotz Stagnation im ersten Quartal im Gesamtjahr leicht zulegen und das Betriebsergebnis ohne Sondereffekte im Gesamtjahr in etwa das Vorjahresniveau erreichen. Beim Medienkonzern Bertelsmann, dessen ertragsstärkste Tochter RTL ist, sank der Quartalsüberschuss um 13 Prozent auf 172 Millionen Euro.

RTL-Chef bleibt vorsichtig

Obwohl die TV-Werbeerlöse von RTL wie beim Rivalen ProSiebenSat.1 im ersten Quartal zulegten, äußerte sich RTL-Chef Bert Habets vorsichtig über die erwartete Entwicklung im Jahresverlauf. Der Jahresauftakt sei nicht unbedingt ein Indikator für das Gesamtjahr. Er verwies auf die Fußball-Weltmeisterschaft, mit deren Übertragung die öffentlich-rechtlichen Sender traditionell Zuschauer von den werbefinanzierten Privatsendern weglocken.

Wie ProSiebenSat.1 setzt auch RTL im eigenen Geschäft auf einen Jahresendspurt. Der Branchenverband VPRT sieht Anlass zur Hoffnung auf bessere Werbegeschäfte der deutschen TV-Sender als im vergangenen Jahr. Nach dem Mini-Wachstum von 0,7 Prozent 2017 sei im laufenden Jahr mit einer Steigerung der Netto-Werbeerlöse um ein bis eineinhalb Prozent auf knapp 4,7 Milliarden Euro zu rechnen, teilte der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) mit.

lg

Darstellung: