Screenshot der RTL Now-Website

Ehrgeizige Ausbauziele RTL reitet die Streaming-Welle

Stand: 13.03.2020, 11:46 Uhr

Nach dem jüngsten Kursrutsch erholt sich die RTL-Aktie am Freitag kräftig. Der Medienkonzern hat 2019 einen Rekordumsatz geschafft und will seine Streaming-Dienste weiter ausbauen. Die Corona-Krise beginnt RTL aber schon zu spüren.

Die Auswirkungen der Epidemie auf das eigene Geschäft könne man zwar noch nicht konkret abschätzen, teilte der RTL-Konzern mit. "Wir sehen allerdings die ersten Stornierungen für Werbebuchungen und Auswirkungen auf Produktionen", räumte ein Sprecher ein. Das Unternehmen werde darauf angemessen reagieren.

Streaming-Investitionen drücken Gewinn

Für 2020 peilt RTL ein organisches Umsatzplus von zwei bis drei Prozent an. Der Gewinn werde allerdings schrumpfen. Das bereinige Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) werde um sieben Prozent zurückgehen, kündigte RTL an. Als Grund nennt das Unternehmen hohe Investitionen ins Streaming-Geschäft.

Die Streaming-Dienste in Deutschland und den Niederlanden sollen massiv ausgebaut werden. In den nächsten fünf Jahren will RTL die Summe der zahlenden Abonnenten der Streaming-Dienste TV Now in Deutschland und Videoland in den Niederlanden auf fünf bis sieben Millionen und damit den Streamingumsatz auf mindestens 500 Millionen Euro erhöhen, sagte RTL-Chef Thomas Rabe. Der RTL-Konzern will nationale Streaming-Champions in den Ländern schaffen, in denen er bereits stark präsent ist. Ziel sei es, eine offene europäische Technikplattform für Streaming-Dienste aufzubauen, sagte Rabe.

Mittelfristig werden die Streaming-Dienste noch rote Zahlen schreiben. "Den Break-Even von TV Now und Videoland erwarten wir für das Jahr 2025." Im vergangenen Jahr gab es 1,44 Millionen zahlende Abonnenten bei TV Now und Videoland - 37 Prozent mehr als im Jahr davor.

Rekordumsatz 2019

Die Investitionen ins Streaming-Geschäft sowie Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit der teilweisen Verlagerung der luxemburgischen Konzernzentrale nach Köln nagten 2019 am Gewinn. Das bereinigte Ergebnis (Ebita) fiel um rund 1,3 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Dagegen stieg der Umsatz um 2,2 Prozent auf das Rekordniveau von 6,6 Milliarden Euro. Neben den starken Digitalgeschäft trug auch die Produktionstochter Fremantle, die vor allem mit fiktionalen Inhalten wie "American Gods" oder "The New Pope" punkten konnte, zum Wachstum bei.

Unterm Strich stieg der Gewinn - getrieben durch den Verkauf von Universum Film an den Finanzinvestor KKR und geringere Abschreibungen - um gut zehn Prozent auf 864 Millionen Euro. Die Dividende soll mit vier Euro je Aktie stabil bleiben.

Im Kerngeschäft steigerte RTL nach eigenen Abgaben den gemeinsamen Marktanteil der Mediengruppe RTL Deutschland bei der Hauptzielgruppe auf 28,1 Prozent. Das ist ein Zuwachs von 0,6 Prozentpunkten.

Aktien auf Erholungstour

Die Anleger reagierten erfreut auf die guten Zahlen und den Ausblick. Die RTL-Aktien springen um elf Prozent in die Höhe auf 33 Euro. Analystin Lisa Yang von Goldman Sachs sah die Ergebnisse für das Vorjahr über den Erwartungen. Zuvor waren die Titel allerdings noch kräftiger gefallen. Auf Ein-Jahres-Sicht haben sie über ein Drittel an Wert eingebüßt. Die Covid-19-Pandemie hat zuletzt im gesamten europäischen Mediensektor drastisch auf die Kurse geschlagen. Seit Ende Januar hat der entsprechende Branchenindex mehr als 30 Prozent an Wert verloren.

Bertelsmann ist derzeit zu 76,3 Prozent an RTL beteiligt. Seit einigen Monaten kauft der Konzern zudem RTL-Aktien im kleinen Stil zu. Eine Komplettübernahme soll es aber nicht geben, wie Rabe im Februar gesagt hatte. Auch soll RTL weiter an der Börse bleiben. Zu RTL gehören neben dem Stammsender RTL auch RTL II, Vox und der Nachrichtensender n-tv. Die RTL Group betreibt 60 Fernsehsender und 30 Radiostationen in mehreren Ländern.

nb