Rolls Royce Triebwerke

Lieferschwierigkeiten bei Triebwerken Rolls-Royce: Airbus muss sich gedulden

Stand: 26.10.2018, 14:15 Uhr

Die hoch gesteckten Ziele von Airbus bei der Auslieferung von A320-Flugzeugen geraten ins Wanken. Jetzt sorgt auch noch Triebwerkhersteller Rolls-Royce beim neuen Flugzeug-Typ A330neo für Unmut. Die Anleger sind alarmiert.

Nach einem ersten Schock über Lieferschwierigkeiten von Rolls-Royce sind die Aktien des Triebwerksherstellers kurzzeitig um gut 14 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief gestürzt. Airbus-Aktien verloren bis zu sechs Prozent. Im weiteren Verlauf können die Papiere ihre jeweiligen Verluste zwar deutlich eindämmen, doch die Verunsicherung der Anleger bleibt.

Ursache war ein Bericht der Agentur Bloomberg. Danach bringt der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce wegen Problemen mit dem Antrieb für das neue Großraum-Flugzeug A330neo die Produktionspläne von Airbus in Gefahr. Die Produktion der Triebwerke vom Typ Trent 7000 liege weit hinter den für 2018 geplanten 30 Exemplaren zurück, heißt es in einem Brief von Rolls-Royce an seine Mitarbeiter. Bis Ende Oktober dürften erst zehn Antriebe ausgeliefert sein. Das zweistrahlige Flugzeug ist die modernisierte und spritsparendere Neuauflage des über 20 Jahre alten Langstreckenjet-Modells A330.

Ein Jahr Verspätung

Die geplanten 30 Triebwerke von Rolls-Royce sind notwendig, damit Airbus in diesem Jahr 15 Jets des Typs an seine Kunden ausliefern kann. Dabei hat die Erstauslieferung des A330neo gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan bereits rund ein Jahr Verspätung. Das Problem erwischt den deutsch-französischen Konzern auch zur Unzeit, hat sich Airbus doch zum Ziel gesetzt, in diesem Jahr 800 Verkehrsflugzeuge auszuliefern.

Das bedeutet, dass im vierten Quartal jeden Monat 76 Maschinen an die Kunden übergeben werden müssen. Das wären zehn Prozent mehr als Airbus je geschafft hat. Allerdings stocken auch die Auslieferungen des Mittelstreckenjets A320neo seit Monaten - wegen Verzögerungen bei Zulieferern wie dem Triebwerksbauer Pratt & Whitney.

Seit 1973 getrennt

Für Rolls-Royce sind die Probleme ein weiterer Schlag, nachdem der Triebwerksbauer bereits Konstruktionsmängel bei dem Antrieb des Boeing-Langstreckenjets 787 "Dreamliner" beheben muss. Dessen Triebwerk Trent 1000 ist ein Schwestermodell des A330neo-Antriebs.

Mit der seit dem Jahr 2000 zu BMW gehörenden Automarke Rolls-Royce Motor Cars hat der Triebwerkshersteller Rolls-Royce Holdings schon lange nichts mehr zu tun. Beide einst im Rolls-Royce-Konzern vereinten Bereiche wurden bereits 1973 getrennt und in eigenständige Firmen umgewandelt. Die in London ansässige Holding ist börsennotiert und befindet sich zu 80 Prozent in Streubesitz. Ihre Produktpalette umfasst unterschiedliche Antriebssysteme für die zivile und militärische Luftfahrt, Hubschrauberantriebe, Schiffsbausysteme für Marine-, Handels- und Hochseeschiffe wie auch Fischereifahrzeuge. Außerdem ist der Konzern mit einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen in der Nuklearindustrie aktiv.

lg