Delisting eingeleitet Rocket sagt der Börse ade

Stand: 01.09.2020, 17:27 Uhr

Die Internet-Beteiligungsgesellschaft will ihr Börsendasein beenden. Am Dienstagmorgen gab das Unternehmen dazu ein Rückkaufprogramm für alle ausstehenden Aktien bekannt und berief eine außerordentliche Hauptversammlung ein.

Ein Paukenschlag für Anleger und Beobachter bei dem MDax-Unternehmen. Die Papiere von Rocket legen am Dienstagmorgen schwunghaft um bis zu sieben Prozent zu. Auf der Handelsplattform Tradegate kletterten sie bis bis auf 19,47 Euro.

Damit liegt der Kurs zumindest zeitweise über dem Angebotspreis, den Rocket Internet am Morgen per Pflichtmitteilung für ausstehende Aktionäre machte. Anleger sollen mit 18,57 Euro je Aktie abgefunden werden, das entspricht dem gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate und damit dem gesetzlichen Mindestpreis. Einige Anleger spekulieren nun offenbar auf einen ordentlichen Nachschlag beim Übernahmepreis.

Strategische Entscheidungen: Lieber ohne Aktionäre

Für Rocket Internet habe die Nutzung des Kapitalmarkts als Finanzierungsmöglichkeit an Bedeutung verloren, hieß es in der Mitteilung. Außerhalb der Börse könne das Unternehmen bei strategischen Entscheidungen einen längerfristigen Ansatz verfolgen. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. September sollen die Rocket-Aktionäre über den Einzug der zurückgekauften Aktien entscheiden. Da eine einfache Mehrheit hierfür genügt, dürfte der Beschluss dank der Stimmen von Samwer und der Global Founders GmbH sicher sein.

Parallel dazu beschloss Rocket Internet ein Aktienrückkaufprogramm zum Erwerb von bis zu 8,84 Prozent des Grundkapitals über die Börse. Das Programm mit Ablauf des 15. September enden.

Rocket Internet hat mit der Global Founders GmbH einen Großaktionär, der 45,11 Prozent der Anteile hält. Gründer Oliver Samwer ist noch mit 4,53 Prozent der Aktien an Bord. Beide Aktionäre haben eine "qualifizierte Nichtandienungsvereinbarung" abgeschlossen, so dass ihre Rocket Internet-Aktien im Zuge des Angebots nicht erworben werden.

Börsendasein wenig erfolgreich

Rocket war 2014 mit einem Ausgabepreis von 42,50 Euro je Aktie an die Börse gegangen, doch die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht. Die Geschäfte der Beteiligungen liefen zuletzt auch wegen der Corona-Pandemie eher schleppend. Für das erste Quartal 2020 hatte Rocket im Mai einen Verlust von 162 Millionen Euro gemeldet. Im gleichen Vorjahreszeitraum stand noch ein Gewinn von 140 Millionen Euro in den Büchern.

AB