Rocket Tower Berlin, Firmensitz von Rocket Internet

Beteiligungsverkäufe zahlen sich aus Rocket Internet schafft ersten Jahresgewinn

Stand: 04.04.2019, 08:56 Uhr

Lange hat es gedauert, nun endlich ist die Startup-Schmiede am Ziel: Erstmals in seiner Geschichte hat Rocket Internet auf Jahressicht schwarze Zahlen geschrieben.

Rocket-Chef Oliver Samwer hat Wort gehalten. 2018 wies der Internet-Konzern einen Gewinn in Höhe von 196 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hatte es noch einen kleinen Verlust von sechs Millionen Euro gegeben. Für das laufende Jahr verspricht Rocket-Chef Oliver Samwer "weiteren Fortschritt", ohne konkreter zu werden.

Die wichtigsten Unternehmen, an denen Rocket beteiligt ist, verzeichneten zweistellige Wachstumsraten beim Umsatz. Der Kochbox-Anbieter HelloFresh zum Beispiel steigerte die Erlöse um 41 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Noch stärker wuchs Jumia, die führende afrikanische E-Commerce-Plattform. Ihr Umsatz zog um 63 Prozent an. Der Online-Modehändler, die Global Fashion Group, legte um 19 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu.

Rocket Internet begleitete zuletzt unter anderem die Börsengänge des Online-Essenslieferdienstes Delivery Hero, des Kochbox-Anbieters HelloFresh sowie der Online-Möbelplattformen Home24 und Westwing. In Kürze will die größte afrikanische Online-Plattform Jumia den Gang aufs Parkett in New York wagen. Wie alle Rocket-Beteiligungen schreibt das in Lagos beheimatete Unternehmen rote Zahlen. Rocket Internet schätzt den Wert seines Jumia-Anteils einschließlich der Beteiligung am ebenfalls noch nicht börsennotierten Online-Modehändler Global Fashion Group sowie weiterer unzähliger kleinerer Firmen auf 1,2 Milliarden Euro.

Der Startup-Investor will im laufenden Jahr mehr Unternehmen gründen. Dies kündigte Firmenchef Oliver Samwer am Donnerstag gegenüber Journalisten an. Bei den Investitionen kann das Berliner MDax-Unternehmen aus dem Vollen schöpfen.

Rocket Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,22
Differenz relativ
-1,11%

Aktuell verfügt Rocket Internet, das an mehr als 200 Unternehmen weltweit beteiligt ist, über ein Kapitalpolster von zwei Milliarden Euro. Mangels attraktiver Investitionsmöglichkeiten hat sich dieser Betrag seit mehreren Monaten kaum verändert. Rocket Internet versteht sich zum einen als eine Art Inkubator, der ganz jungen Startups mit Geld und Wissen unter die Arme greift und zum anderen als Investor in bereits größere Firmen. Letzteres sei ein "sehr opportunistisches Geschäft", das nicht im Mittelpunkt stehe, betonte Samwer.

Die Zahlen von Rocket Internet reißen die Anleger nicht vom Hocker. Der Internet-Titel büßt bis zum Mittag 0,7 Prozent auf 23,32 Euro ein. Auf Ein-Jahres-Sicht ist der Kurs kaum vom Fleck gekommen. Rocket Internet ging im Oktober 2014 zu einem Ausgabekurs von 42,50 Euro an die Börse, erreichte diesen Preis seit Juni 2015 aber nicht mehr.

nb