Internet

Oliver Samwer, Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet SE

Interview Rocket Internet: Zweifel unter der Dusche

Stand: 09.05.2016, 09:00 Uhr

Die Internet-Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet fiel in den vergangenen Monaten mit sehr starken Kursschwankungen ihrer Aktie auf. Vorstandschef Samwer versucht nun die Wogen zu glätten.

Unternehmensgründer Oliver Samwer (Foto) hat bisher den Ruf, dem Erfolg praktisch alles unterzuordnen. Doch als erfolgreich lässt sich die Entwicklung des Aktienkurses seit dem Börsengang im Herbst 2014 bisher nicht gerade bezeichnen. Zwar notierte das Papier einige Monate über dem Ausgabepreis von 42,50 Euro. Doch inzwischen krebst das Papier bei rund 20 Euro herum. Das bisherige Allzeittief wurde bei 17,43 Euro markiert - Zeit für Interview mit einer überregionalen deutschen Tageszeitung - in diesem Fall die "Süddeutsche Zeitung".

Aktie schwankt zu sehr

"Schauen Sie sich alleine dieses Jahr an, da ist die Rocket-Internet-Aktie rauf- und runtergegangen, vielleicht 50 Prozent Kursschwankungen in nur vier Monaten. Ich kann Ihnen eines sagen: Unsere Firma verändert sich in vier Monaten nicht um 50 Prozent. Irgendwo ist da was falsch", sagte der Manager der Tageszeitung. "Die kurzfristige Optimierung des Börsenkurses und der Kommunikation ist für mich kein Thema mehr", ergänzte Samwer. "In fünf oder zehn Jahren müssen wir besser verstanden werden." In Deutschland sei es schwer, das Geschäftsmodell einer Wagniskapitalgesellschaft zu erklären.

"Bei Rocket Internet haben wir übrigens eine große Bereitschaft zum Scheitern. Bei anderen explodiert nicht jeden Tag irgendein Geschäft", so Samwer. Deshalb müsse er viel kommunizieren und erklären. Zuletzt hatte Rocket Internet Schlagzeilen gemacht, weil das Unternehmen den Wert seiner in der Global Fashion Group (GFG) gebündelten sechs Online-Modehändler von gut drei Milliarden Euro auf eine Milliarde reduzierte.

Daraufhin hatten die Großaktionäre insgesamt weitere 300 Millionen Euro in die GFG investiert, 100 Millionen kamen allein von Rocket. "Wir werden mit dem investierten Kapital einen guten Return machen", sagte Samwer in dem Interview. "Wir glauben an diese Firma, und wir werden auch mit dieser Firma Geld verdienen."

Versuch einer Aufklärung

Die Irritationen um die jüngsten Änderungen im Aufsichtsrat versucht Samwer aufzuklären. "Die Veränderungen im Aufsichtsrat geschehen nicht aus Gegnerschaft, sondern aus der Überzeugung, das Unternehmen weiter voranzutreiben." In der vergangenen Woche hatten die beiden Vertreter des schwedischen Investors Kinnevik, der 13,2 Prozent an Rocket hält, das Aufsichtsgremium verlassen. "Jetzt stehen wir vor neuen Herausforderungen, und wir verändern die Mannschaftsaufstellung entsprechend." Mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Finanzvorstand Stefan Krause und dem hochrangigen Manager Pierre Louette des französischen Telekommunikationskonzerns Orange habe man zwei ausgewiesene Finanz- und Handelsexperten für Rocket gewinnen können.

Zweifel hat Samwer nur morgens unter der Dusche. Allerdings dusche er immer nur so lange, bis die Zweifel weg seien, so Samwer in dem Interview. "Wenn ich aus der Dusche rauskomme, ist alles in Ordnung. Am Tag ist für Zweifel keine Zeit."

ME