Produktion bei Roche

Jahresausblick bestätigt Roche: Impfstoff wohl kaum vor Ende 2021

Stand: 22.04.2020, 09:27 Uhr

Der Baseler Pharmakonzern Roche stellt Antikörpertests gegen Covid-19 in großen Mengen in Aussicht. Auch soll demnächst eine erste Studie zur Behandlung der durch Corona ausgelösten Lungenkrankheit mit einem Medikament vorgestellt werden. Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht.

Die Aktionäre von Roche können zufrieden sein: Der Pharmakonzern hat nach einem kräftigen Umsatzplus im ersten Quartal seine Jahresprognose bekräftigt und stellt sogar mehr Dividende in Aussicht - eine Ausnahme in Zeiten sinkender Gewinne und teils ausgesetzter Dividendenzahlungen.

Im Zeitraum Januar bis März erzielte der weltgrößte Hersteller von Krebsmedikamenten einen Umsatz von 15,14 Milliarden Franken - währungsbereinigt ein Zuwachs von sieben Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. "Grundsätzlich bleibt der weltweite Bedarf in der Gesundheitsversorgung sehr hoch, und Roche konnte sich bisher gut behaupten", erklärte Konzernchef Severin Schwan.

Neue Medikamente befeuern Umsatz

"Basierend auf der derzeitigen Einschätzung bestätigen wir unseren Ausblick für das Gesamtjahr." Roche will die Verkaufserlöse währungsbereinigt um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag steigern. Beim um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn je Aktie wird ein Wachstum angepeilt, das weitgehend dem Umsatzanstieg entspricht.

Beflügelt wurden die Erlöse vor allem vom Verkauf neuer Medikamente: Die Einnahmen aus dem Multiple-Sklerose-Mittels Ocrevus stiegen um 38 Prozent und die der Arznei Hemlibra gegen die Bluterkrankheit um 146 Prozent. Ocrevus ist mit 1,11 Milliarden Franken Verkaufserlös bereits der viertgrößte Umsatzbringer des Konzerns.

Antikörpertests ab Mai

Beim Kampf gegen die vom Corona-Virus ausgelöste Lungenkrankheit steht Roche weiterhin an vorderster Front. So soll Anfang Mai ein Test herausgebracht werden, mit dem Antikörper des Erregers nachgewiesen werden können.

Roche-Schriftzug an der Unternehmenszentrale in Basel

Roche an vorderster Front gegen Covid-19. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Diese Tests zum Nachweis der Immunität gegen das Virus gelten als ein Schlüsselfaktor, um die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie zurückfahren zu können. "Vorbereitungen laufen, um ab Juni monatlich eine Anzahl von Tests im hohen zweistelligen Millionenbereich produzieren zu können und dies weiter schnellstmöglich zu steigern", erklärte Roche. Zudem verspricht der Konzern, dass die Tests zuverlässig sein werden.

Erste Studie zu möglichem Medikament

Neben der Diagnostik arbeitet Roche weiter an Medikamenten zur Behandlung der Krankheit. So laufe derzeit eine klinische Phase-III-Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit von Actemra/Roactemra bei einer schweren Covid-19-bedingten Lungenentzündung in verschiedenen Ländern. Ergebnisse erwartet Roche im Frühsommer. Die Produktionskapazitäten will das Unternehmen weltweit zügig ausbauen. Bislang wird das Mittel vor allem bei Arthritis angewendet.

"Der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie im ersten Quartal stellt eine noch nie dagewesene globale Herausforderung dar, ganz besonders für die Gesundheitssysteme weltweit", schilderte Roche-Chef Severin Schwan die Situation. Roche habe sich bislang gut behaupten können. Die globale Lieferkette für Medikamente und Diagnostika ist dem Unternehmen zufolge intakt.

Wohl kein Impfstoff vor Ende nächsten Jahres

Hoffnungen auf einen baldigen Impfstoff erteilte der Roche-Chef allerdings eine Absage. "Ich finde persönlich den geplanten Zeitrahmen von 12 bis 18 Monaten für einen Impfstoff gegen Corona "ehrgeizig", sagte Schwan. Er hält es sogar für das wahrscheinlichste Szenario, dass vor Ende nächsten Jahres kein Impfstoff verfügbar sein werde.

lg