Luxusuhren der Marke Cartier.

Drohendes Ende des China-Booms Richemont versetzt Luxusbranche in Unruhe

Stand: 09.11.2018, 08:16 Uhr

Luxus-Aktien werden am Freitag aus den Depots geworfen. Der Schweizer Schmuck- und Uhrenkonzern Richemont hat durch den Ausbau des Online-Geschäfts seine Marge verwässert. Zudem scheinen die Chinesen die Lust auf Luxus zu verlieren.

Richemont deutete an, dass der Boom auf dem wichtigen Absatzmarkt China vorbei sein könnte. Ein schwächerer Renminbi (Yuan) oder der chinesisch-amerikanische Handelsstreit drohen die Umsatzdynamik zu schwächen, warnte Finanzchef Burkhart Grund.

Richemont: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Noch wächst Richemont zweistellig. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahrs 2018/19 (April bis Ende September) stiegen die Erlöse um 21 Prozent auf 6,81 Milliarden Euro. Dazu trugen freilich die vollständige Übernahme des Online-Händlers Yoox Net-a-Porter und den Kauf der britischen Uhrenplattform Watchfinder bei. Aus eigener Kraft konnte Richemont nur um acht Prozent zulegen. Analysten hatten mehr erwartet.

Drei Prozent weniger Gewinn

Die Zukäufe sowie die Trennung von der defizitären Lederwarenmarke Lancel nagen aber am Gewinn des Cartier-Herstellers. Das operative Ergebnis schrumpfte um drei Prozent auf 1,13 Milliarden Euro.

Der Ausbau des E-Commerce schadet auch der operativen Marge von Richemont. Sie sank im ersten Halbjahr um deutliche 4,1 Prozentpunkte auf 16,6 Prozent. Die übernommenen Geschäfte sind weniger margenstark als Uhrenmarken wie IWC, Piaget oder Jaeger-LeCoultre.

Aktien im Abwärtsstrudel

Die schwächere Marge und die Angst vor einer sinkenden Nachfrage nach teuren Uhren belasten die Aktien von Richemont. Sie fallen an der Schweizer Börse um rund fünf Prozent. Die Titel haben bereits in den vergangenen drei Monaten etwa 16 Prozent an Wert eingebüßt. Im Negativsog von Richemont rutschen auch die Aktien von Swatch, Kering, LVMH und Hermès ab.

Die übrigen Unternehmen der Luxusbranche hätten zuletzt alles in allem robuste Ergebnisse präsentiert, schrieb Analystin Louise Singlehurst von der Investmentbank Goldman Sachs in einer ersten Einschätzung zu Richemont. Das Ausmaß der Abschwächung bei den Schweizern im September könne jedoch auch die Kurse in der gesamten Branche belasten. Zuletzt profitierten die Luxusuhrenhersteller von einer anziehenden Nachfrage im Reich der Mitte.

Unter dem Strich verdiente Richemont im ersten Halbjahr 2,25 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Dabei wurde das Ergebnis von einem Bewertungsgewinn bei den Yoox-Aktien in Höhe von 1,38 Milliarden begünstigt. Im Mai hatte Richemont die italienische Yoox Net-a-Porter, die ihr zuvor zur Hälfte gehört hatte, ganz einverleibt.

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