iTWO 5D Software der RIB Software AG

RIB-Aktie auf Erholungsfahrt RIB Software hoch hinaus

Stand: 30.04.2018, 13:02 Uhr

Für RIB Software ist es die beste aller Welten: Der Bauboom hält an, und die Bauprozesse werden immer mehr digitalisiert. Der Anbieter von Bausoftware macht daher gute Geschäfte. Anleger feiern das - zumindest heute. Im März nahmen sie noch Reißaus.

Auch wenn Anleger in den letzten Wochen ihre Skepsis gegenüber RIB Software gezeigt haben - heute lassen sie sich von der Zwischenbilanz des ersten Quartals locken. Das Jahr hat für den Bausoftwarehersteller nämlich gut begonnen, RIB steigerte seine Umsätze um gut ein Fünftel auf rund 32 Millionen Euro.

Der Gewinn ging im ersten Quartal zwar empfindlich zurück, er halbierte sich auf 3,7 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um mehr als ein Drittel auf knapp zehn Millionen Euro. Aber das hängt mit Sondereffekten zusammen. Vor einem Jahr hatte RIB nämlich außer der Reihe Geld eingestrichen durch den Verkauf von Softwarelizenzen an sein Gemeinschaftsunternehmen YTWO in Höhe von 7,6 Millionen Euro. Rechnet man diesen Sonderertrag im vorigen Jahr heraus, wäre das Ergebnis jetzt kräftig gestiegen.

Die Zeichen stehen also auf Wachstum. RIB betätigte denn auch seine Jahresziele, will den Umsatz weiterhin auf 117 bis 127 Millionen Euro steigern und damit prozentual zweistellig wachsen. Für das operative Ergebnis peilt die Firma weiterhin 33 bis 43 Millionen Euro an. Die RIB-Aktie steigt heute mit einem Kursplus von acht Prozent zum stärksten TecDax-Wert auf.

Die Bau-Revolution mit YTWO

Die vergangenen Wochen und Monate waren von einigen Kurskapriolen begleitet. Zunächst nach oben: Da lockte zum einen die Kooperation mit Microsoft, zum andern die mit Flex, einem Silicon Valley-Unternehmen, das auch einen Sitz in Singapur hat. Analysten lobten die aus diesen Kooperationen entstandene YTWO-Plattform. Sie könne das "nächste große Ding" werden, umschrieb es etwa Warburg-Analyst Andreas Wolf.

RIB will mit der Plattform nichts Geringeres als die weltweite Bauindustrie revolutionieren. YTWO ermöglicht die Planung und Steuerung von Bauprojekte direkt mit Zulieferern. Sie bietet Immobilienentwicklern und Wohnungsbauunternehmen Zugriff auf einen Produkt- und Bauteilekatalog.

So hoffnungsvoll das Projekt, so groß auch die Zweifel. Einnahmen hat RIB mit der Plattform noch nicht erzielt. Analysten kritisierten zudem die schlechter gewordene Planbarkeit des Gemeinschaftsunternehmens.

Kapitalerhöhung bringt Skepsis

Dann kündigte die Gesellschaft auch noch völlig unerwartet eine Kapitalerhöhung an, von der die Altaktionäre ausgeschlossen waren. Die Strategie dahinter sei unklar, kritisierte UBS-Analyst Hannes Leitner. Es sei die dritte Kapitalerhöhung seit dem Börsengang 2011, um Investitionen zu tätigen. Anleger fragten sich, ob die Kapitalerhöhung überhaupt nötig sei. RIB schien zudem genug Geld in der Kasse zu haben. Auch schien der Investitionsbedarf zum Aufbau des neuen Cloudgeschäfts mit Microsoft, wodurch die Bausoftware zusätzlich zur Miete über das Internet angeboten wird, für zu hoch.

Die Aktie, die sich seit Ende 2015 mehr als verdreifacht hatte, stürzte ab. Die Unsicherheit rund um Tech-Werte an den Börsen belastete zusätzlich. Zudem gab es Shortattacken von Hedgefonds, die auf fallende Kurse wetteten. Von dem im März markierten Rekordhoch bei 36,10 Euro stürzte die Aktie binnen zwei Wochen bis auf 16,56 Euro und fiel damit weit unter den Platzierungspreis der Kapitalerhöhung von 28 Euro.

Die Zweifel an der Aktie zeigen sich auch in den stark auseinander klaffenden Kurszielen, die von 18,50 Euro (Warburg) bis 40 Euro (Berenberg) reichen.

Wie wird 2018?

Die heutige - leichte - Erholung wird teils ebenfalls infrage gestellt. Denn die Quartalszahlen lagen nur im Rahmen der Erwartungen. Und die Prognose auf der Ergebnisseite ist sehr zurückhaltend. Bestenfalls bedeutet die von RIB anvisierte Zielspanne nur eine minimale Steigerung - und schlimmstenfalls sogar einen Rückgang von fast 20 Prozent.

bs