Rhön Klinikum kooperiert mit Medgate

Nach dem Umbau Rhön-Klinikum setzt auf das Smartphone

Stand: 10.01.2019, 14:20 Uhr

Nach dem Verkauf eines Großteils seiner Kliniken an Fresenius für drei Milliarden Euro will sich der Rhön-Konzern neu erfinden. Dabei setzt er auf den Trend der Zeit: die Telemedizin.

Das unterfränkische Unternehmen will ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Schweizer Telemedizinanbieter Medgate gründen, das digitale Arztbesuche per Video und Telefon und Smartphone-App anbieten soll. Rhön-Klinikum will mit 51 Prozent die Mehrheit an dem geplanten Joint Venture halten, wie der im SDax notierte Konzern in Bad Neustadt mitteilte. Der Plan ist ehrgeizig, die neue Medgate Deutschland soll Marktführer werden.

Patienten sollen von Medgate Deutschland künftig Beratungen und Behandlungen per Telefon, Internet oder Videoschaltung erhalten. Rhön möchte mit dem Angebot unter anderem dazu beitragen, die wachsenden ärztlichen Versorgungslücken im ländlichen Raum zu schließen und darüber hinaus ein zeitgemäßes, einem modernen Konsumverhalten entsprechendes ärztliches Angebot anbieten.

Fast jeder hat ein Smartphone

Rhön-Klinikum: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die technischen Voraussetzungen, wie etwa ein Smartphone oder ein mit einer Kamera ausgestatteter Computer seien in den meisten Haushalten bereits vorhanden, erklärt der Konzern. Das Angebot richte sich am Bedarf einer digitaler werdenden Gesellschaft und deren Bedürfnisse nach einer effizienten, ortsunabhängigen, bequemen und vor allem raschen Gesundheitsversorgung aus.

Wieviel beide Firmen investieren, enthüllten Rhön-Klinikum und Medgate nicht. Abgesehen von den Deutschland-Plänen überlegt Rhön-Klinikum auch, mit den Schweizern gemeinsam auf internationaler Bühne im Telemedizin-Geschäft aktiv zu werden. Der Anlass: Die Mehrheit der Ärzte in ländlichen Regionen ist vorgerückten Alters, so dass der Bedarf an Beratung via Handy oder Computer in den kommenden Jahren steigen wird.

Deutschland ist noch Entwicklungsland

Blick auf den Unternehmenssitz der Rhön-Klinikum AG in Bad Neustadt a.d. Saale

Rhön-Klinikum. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Außerdem erwarten Fachleute generell starkes Wachstum von Telemedizin-Angeboten. Der Ärztetag hatte im vergangenen Jahr das so genannte Fernbehandlungsverbot gelockert - dieses schrieb vor, dass Ärzte ihnen unbekannte Patienten ausschließlich persönlich beraten durften.

Deutschland gilt bislang in Sachen Telemedizin als Entwicklungsland. "Das Potenzial in Deutschland ist riesig", erklärte Medgate-Chef Andy Fischer. In den USA sind Google und Microsoft an Telemedizin-Angeboten beteiligt. In der Branche gilt als möglich bis wahrscheinlich, dass die zwei US-Konzerne auch in diesem Bereich nach Europa drängen werden.

Von 1996 bis 2002 war der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Mitglied im Aufsichtsrat von Rhön. Seine Familie hielt 26,5 Prozent der Stammaktien. Im März 2002 wurden die Aktien für 260 Millionen Euro an die HypoVereinsbank verkauft.

lg