Rheinmetall Radpanzer

Erstaunliche Kursreaktion? Rheinmetall: Umsatzprognose runter, Aktie rauf

Stand: 08.11.2018, 10:18 Uhr

Rheinmetall senkt die Umsatzprognose: Solche Nachrichten schätzt die Börse normalerweise überhaupt nicht. Aber die Anleger haben einige Gründe gefunden, um sich mit der Aktie trotzdem einzudecken.

Die Titel von Rheinmetall gehören mit einem Plus von rund fünf Prozent zu den stärksten Werten im MDax. Entdecken die Investoren Nachholpotenzial? Allein in den vergangenen sechs Monaten büßte der Konzern ein Drittel seines Börsenwerts ein, vor zwei Wochen waren sie noch den tiefsten Stand seit Januar 2017 gefallen.

Und ausgerechnet jetzt senkt das Management auch noch die Umsatzprognose. Auf Konzernebene steht im Gesamtjahr nun nur noch ein Umsatzwachstum von fünf Prozent im Plan nach zuvor acht Prozent. Der Grund: In der Rüstung fehlten weiter Exportgenehmigungen und bei der Autozulieferung belaste die Umstellung auf neue Abgas- und Verbrauchsprüfstandards.

Das Doppelte verdient

Damit ist die Anzahl der schlechten Nachrichten aber weitgehend erschöpft. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz um 3,3 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 98 Millionen Euro knapp über dem Vorjahreswert.

Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn bei 77 Millionen Euro jedoch auf mehr als das Doppelte, unter anderem hatte im Vorjahr eine Werksschließung belastet. Zudem verbuchte Rheinmetall diesmal 30 Millionen Euro aus dem Verkauf eines ehemaligen Kolbenproduktionsstandortes in Hamburg.

Margenprognose erhöht

Es gibt noch weitere Punkte, die den Investoren gefallen: Die Marge des operativen Ergebnisses soll 2018 über sieben Prozent liegen und damit etwas besser als bisher gedacht. Zuvor war das Management von rund sieben Prozent ausgegangen. Die Rüstungssparte solle hier etwas besser abschneiden, so die Prognose.

Mit der Anhebung der Margenziele für seine beiden Geschäftsbereiche trotz gesenkter Umsatzerwartungen bilde das Rüstungs- und Autozulieferer-Unternehmen eine positive Ausnahme gegenüber den Wettbewerbern, schrieb Analyst Michael Raab vom Analysehaus Kepler Cheuvreux. In der Autozuliefer-Sparte entwickele sich Rheinmetall überdurchschnittlich gut, im Rüstungssegment seien die Margen stark, schrieb Sven Weier von der UBS.

Bundeswehrausrüstung Gladius von Rheinmetall

Bundeswehrausrüstung Gladius von Rheinmetall. | Quelle: Unternehmen

Ermutigend, jedenfalls für Anleger, ist auch der Auftragseingang in der Rüstungssparte. Im bisherigen Jahresverlauf sammelte der Konzern Bestellungen für Radpanzer, Militär-Lkw, Waffensysteme und Munition über 4,47 Milliarden Euro ein, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. "Wir profitieren vom wachsenden Nachholbedarf bei der Ausrüstung der Bundeswehr und vom militärischen Modernisierungsbedarf in vielen Ländern weltweit", sagte Vorstandschef Armin Papperger.

ts