Rheinmetall Saudi Arabien

Die Scheichs rüsten auf Rheinmetall und die Saudi-Connection

von Angela Göpfert

Stand: 07.11.2017, 13:17 Uhr

Ein Rheinmetall-Manager soll in Saudi-Arabien eine gigantische Waffenschmiede aufbauen. Und das ist nicht die einzige Verbindung des deutschen Rüstungskonzerns zu dem Königreich am Persischen Golf.

Wer sich den aktuellen Geschäftsbericht der Rheinmetall AG aufmerksam durchliest, der stolpert über eine wundersame Umsatzexplosion. So machte Rheinmetall in den ersten neun Monaten 2017 in "sonstigen Regionen" unglaubliche 80 Prozent mehr Umsatz.

Trugen die "sonstigen Regionen" Ende 2015 noch sieben Prozent zu den Gesamterlösen bei, sind es heute bereits 15 Prozent.

Rheinmetall Umsatz nach Regionen, Q1 bis Q3 2017

Rheinmetall macht in "sonstigen Regionen" mehr Umsatz als in Nord- und Südamerika. | Bildquelle: Rheinmetall, Grafik: boerse.ARD.de

Viertgrößter Waffenkäufer

Diese Umsatzexplosion dürfte nicht zuletzt den fantastisch laufenden Geschäften mit einem gewissen Land am Persischen Golf geschuldet sein. Zwar schweigt sich Rheinmetall konsequent darüber aus, wie hoch genau der Umsatzanteil Saudi-Arabiens ist.

»Aus Wettbewerbsgründen und aus vertraglichen Verpflichtungen heraus kann Rheinmetall keine Aussagen in Bezug auf Lieferungen in einzelne Länder tätigen.«

Fakt ist aber: Saudi-Arabien ist nach den Großmächten USA, China und Russland der viertgrößte Waffenkäufer weltweit. Knapp 64 Milliarden Dollar gaben die Scheichs allein 2016 für Kriegsgeräte aus.

Mohammed bin Salman

Mohammed bin Salman hat die Abhängigkeit Saudi-Arabiens von Waffenexporten satt. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

110 Militär-Lkw für Saudi-Arabien

Das Geld floss nahezu ausschließlich ins Ausland, an Konzerne wie Boeing, Lockheed Martin und eben Rheinmetall. Erst vor wenigen Monaten genehmigte die Bundesregierung die Lieferung von 110 Schwerlastkraftwagen der Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH nach Saudi-Arabien. Trotz Katar-Krise und Krieg im Jemen.

Das Finanzvolumen wurde damals "aus Rücksicht auf die wirtschaftlichen Interessen der Herstellerfirmen" nicht beziffert.

Der Trick mit den Töchtern

Doch der Genehmigungsprozess in Deutschland ist mit großen Risiken für Rheinmetall behaftet, lukrative Deals sind vom Wohlwollen der jeweiligen Regierung abhängig - und könnten somit jederzeit platzen.

Rheinmetall wickelt deshalb Deals mit Saudi-Arabien auch über Tochterunternehmen ab, die ihren Sitz etwa in Italien (RWM Italia) oder Österreich (RWM Arges) haben. Der Clou: Rüstungsgüter, die in anderen Ländern produziert werden, unterliegen nicht der deutschen Kontrolle.

Munition made in Saudi Arabia

Zusammen mit einem staatlichen südafrikanischen Partnerunternehmen betreibt Rheinmetall seit 2016 sogar eine Munitionsfabrik direkt in Saudi-Arabien. An dem Joint Venture mit dem Namen Rheinmetall Denel Munition hält Rheinmetall einen Mehrheitsanteil von 51 Prozent.

Berichten zufolge soll in der Fabrik unter anderem Artilleriemunition hergestellt werden.

Ein Personalie mit Langfrist-Wirkung

Wie eng die Beziehungen zwischen Rheinmetall und Saudi-Arabien sind, zeigt nicht zuletzt auch der jüngste Personal-Coup des Kronprinzen von Saudi-Arabien, Mohammed bin Salman: Andreas Schwer, seines Zeichens Leiter der Rheinmetall-Sparte Kampfsysteme, soll in Saudi-Arabien ab Jahresende 2017 eine gigantische Waffenschmiede aufbauen.

Andreas Schwer

Andreas Schwer soll für Mohammed bin Salman eine gigantische Waffenschmiede aufbauen. | Bildquelle: Saudi Arabian Military Industries

Der im Mai gegründete staatliche Rüstungskonzern trägt den Namen "Saudi Arabian Military Services", kurz SAMI. Die Ambitionen sind groß, 2030 soll SAMI zu den 25 größten Rüstungsherstellern der Welt zählen und jedes Jahr rund drei Milliarden Euro zum saudischen BIP beitragen.

Doch bis dahin wird das Land am Persischen Golf noch massiv von Waffenimporten aus dem Ausland abhängen. Man muss keine Glaskugel haben um zu prophezeien, dass sich unter einem SAMI-Leiter Andreas Schwer die geschäftlichen Beziehungen zwischen Rheinmetall und Saudi-Arabien künftig noch enger gestalten werden.

Darstellung: