Rheinmetall-Panzer Puma auf einem Waldweg

Aktie wild bewegt Rheinmetall: Rüstungssparte kennt keine Krise

Stand: 08.05.2020, 13:45 Uhr

Wenn Rheinmetall die lukrative Rüstungssparte nicht hätte, sähe es düster aus: Waffensysteme und Munition braucht die Welt derzeit offenbar dringend - der Bereich Automotive schwächelt dagegen massiv.

Während der Gesamtumsatz von Rheinmetall im Jahresvergleich um 1,1 Prozent auf rund 1,36 Milliarden Euro stieg, sackte das operative Ergebnis um 37 Prozent auf 34 Millionen Euro ab. Unter dem Strich brach der Gewinn um rund 45 Prozent auf 18 Millionen Euro ein. Experten kommentierten die Zahlen überwiegend wohlwollend und unterstrichen, sie seien besser ausgefallen als erwartet.   

Analyst Alexander Wahl von Mainfirst beispielsweise lobt, das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) habe die Erwartungen deutlich übertroffen. Ein Aktienhändler lobte die Rüstungssparte. Diese sei in jeder Beziehung exzellent in das Jahr 2020 gestartet. Für das Automobilgeschäft gelte das jedoch nicht, hier sei der Markt allerdings auf schwache Zahlen vorbereitet gewesen.

"Die Zahlen im Segment Automotive lagen unter den Konsensschätzungen", merkte Analyst Gordon Schönell vom Bankhaus Lampe an. Chris Hallam von Goldman Sachs wies darauf hin, dass der Gewinn in der Autozulieferung um fast ein Drittel unter der Markterwartung liege.

Rheinmetall Oerlikon Skyshield, Flugabwehrsystem, Skyguard

Rheinmetall-Flugabwehrsystem. | Bildquelle: Unternehmen

Autosparte: Keine Prognose möglich

Denn im ersten Jahresviertel konnte sich natürlich auch Rheinmetall in der Autozulieferung der Corona-Pandemie und ihren negativen Auswirkungen auf die globalen Automärkte nicht entziehen. Die Erlöse gingen um rund 13,5 Prozent auf 618 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis stürzte um rund 80 Prozent auf ZEHN Millionen Euro ab. Für die Automotive-Sparte sei eine Prognose aufgrund der hohen Unsicherheiten derzeit nicht möglich, hieß es.

Rheinmetall erwartet jedoch, dass Umsatz und operatives Ergebnis in der Autozulieferung deutlich unter den bisherigen Prognosen liegen werden, in denen mögliche Corona-Folgen noch nicht berücksichtigt waren.

"Rüstungssparte: Robust und widerstandsfähig"

Bei der Rüstungssparte sieht es anders aus. Der Vorstand bestätigte hier seine Jahresprognose und geht davon aus, dass Covid-19 in dem Bereich keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung 2020 haben wird. Demnach soll der Umsatz um fünf bis sieben Prozent steigen. Neun bis zehn Prozent der Erlöse sollen als operatives Ergebnis hängenbleiben.

Der Umsatz mit Waffensystemen und Munition stieg im ersten Quartal um knapp 18 Prozent auf 740 Millionen Euro, das operative Ergebnis verdreifachte sich auf 29 Millionen Euro. "Unser Defence-Bereich zeigt sich in der gesamtwirtschaftlich schwierigen Lage robust und widerstandsfähig und wird uns im Konzern helfen, die krisenbedingten Auswirkungen abzufedern", meint Unternehmenschef Armin Papperger.

Die Anleger reagieren verunsichert: Nach Kursgewinnen im frühen Handel drehte der MDax-Titel ins Minus, um schließlich wieder solide im Plus zu landen. In den vergangenen drei Monaten haben die Papiere mehr als 30 Prozent eingebüßt.

ts