Renault-Chef Carlos Ghosn
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Vertragsverlängerung nach Rekordjahr Renault-Chef verzichtet auf 30 Prozent Gehalt

Stand: 16.02.2018, 15:21 Uhr

Beim französischen VW-Konkurrenten läuft's wieder: Dank der brummenden Autokonjunktur in Europa verdiente Renault im abgelaufenen Jahr so viel wie nie. Zur Belohnung darf Renault-Chef Carlos Ghosn weitermachen - für weniger Geld.

Der autobesessene Manager, der einst Nissan aus der Krise führte, bleibt für weitere vier Jahre auf dem Chefsessel von Renault. Die Regierung stimmte am Donnerstagabend einer Vertragsverlängerung zu. Ghosn steht seit 13 Jahren an der Spitze des französischen Autoherstellers.

Macron interveniert

Eigentlich war erwartet worden, dass Ghosn die Zügel übergibt und als Mitglied des Verwaltungsrats die Allianz mit Nissan, die er selbst vor 19 Jahren ausgehandelt hatte, überwacht. Insidern zufolge scheiterte dies jedoch an Meinungsverschiedenheiten mit der französischen Regierung. Präsident Emmanuel Macron verlangte am Dienstag einen klaren Fahrplan, der die Interessen des Unternehmens, der Allianz und aller französischer Werke wahre. Beide Seiten sind bemüht, einen Streit wie 2015 zu vermeiden. Damals hatte Paris unter Macron als Wirtschaftsminister den Renault-Anteil überraschend erhöht und sich doppelte Stimmrechte gesichert, um den Einfluss des Staates zu gewährleisten.

Allerdings muss Ghosn künftig mit deutlich weniger Geld auskommen. Sein Gehalt wird um 30 Prozent gekürzt. "Ich habe Herrn Ghosn sehr klar gesagt, dass wir nicht für einen Chef stimmen können, der eine so hohe Vergütung bekommt", begründete der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire den Schritt im Fernsehen. Ghosns Gehalt war in der Vergangenheit Anlass zu Reibereien mit der Regierung.

Bolloré soll Kronprinz werden

Der 63-Jährige wird sich weitgehend aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Diese Aufgaben übernimmt die neue Nummer zwei Thierry Bolloré als Vize-Generaldirektor. Ghosn selbst lenkt die Strategie und soll einen Nachfolge-Plan vorantreiben. Vor allem aber bekam der Topmanager den Auftrag, die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die komplexe Allianz mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi weiter Bestand hat.

Der französische Autobauer steht dank Ghosn gut da. "Wir haben neue Rekorde beim Absatz, beim Umsatz, bei der operativen Marge und dem Nettoergebnis erzielt", sagte Ghosn bei der Vorlage der Jahreszahlen am Firmensitz im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn stieg unter dem Strich um die Hälfte auf 5,1 Milliarden Euro. Operativ verdienten die Franzosen 3,8 Milliarden Euro - so viel wie nie.

Zweistelliges Umsatzwachstum

Aufgrund der starken Autonachfrage in Europa kletterte der Umsatz um knapp 15 Prozent auf ein Rekordniveau von 58,8 Milliarden Euro. Auch ohne die seit Anfang Januar 2017 einbezogene russische Tochter Avtovaz wären die Erlöse um über neun Prozent gestiegen.

Für das laufende Jahr rechnet der ehrgeizige Renault-Boss Ghosn mit weiter steigenden Umsätzen. Dabei sind Währungseffekte ausgeklammert. Die operative Marge, die im vergangenen Jahr von 6,4 auf 6,6 Prozent gewachsen war, soll weiter über sechs Prozent liegen. Ghosn wies aber auf Unsicherheiten hin - etwa einen Anstieg der Rohstoffkosten.

Aktien ziehen an

Renault-Aktien waren nach Vorlage der Zahlen am Freitag gefragt. Die Titel gehörten mit einem Plus von drei Prozent zu den größten Gewinnern an der Börse in Paris. Damit erholen sie sich von den Kursverlusten seit Anfang Februar. Die Renault-Aktie notiert jetzt wieder da, wo sie vor einem Jahr stand.

nb