Carlos Ghosn

Bolloré ersetzt Ghosn Renault-Chef tritt zurück

Stand: 24.01.2019, 15:30 Uhr

Ende einer Ära: Der seit zwei Monaten in Japan inhaftierte Carlos Ghosn tritt nach 14 Jahren an der Spitze von Renault zurück. Sein Nachfolger wird ein Sprößling der mächtigen Bolloré-Familie.

Der 64-jährige Ghosn war einst als Retter von Renault gefeiert worden. Er hatte den französischen Traditionskonzern zurück auf die Erfolgsspur geführt und eine Allianz mit Nissan geformt. Doch die Kooperation mit den Japanern wurde dem charismatischen Automanager nun zum Verhängnis. Wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen wurde Ghosn am 19. November in Tokio festgenommen und angeklagt.

Ghosn reicht Rücktrittsschreiben ein

Zwar beteuerte der gebürtige Brasilianer mit libanesischen Wurzeln seine Unschuld. Aber da die Japaner keine Anstalten machten, Ghosn aus dem Gefängnis zu lassen, war der Automanager nicht mehr zu halten. Am Mittwoch reichte Ghosn sein Rücktrittsschreiben ein, berichteten französische Medien. Möglicherweise wurde er zum Rücktritt gezwungen.

Am Donnerstagmorgen bestätigte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos den Rückzug des Renault-Chefs. Le Maire hatte zuvor schon mit deutlichen Worten eine Nachfolge gefordert. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei. Der Staat ist bei Renault mit 15 Prozent beteiligt und spielt deshalb bei dem Autohersteller eine wichtige Rolle.

Bolloré wird neuer Renault-Chef

Thierry Bolloré

Thierry Bolloré. | Bildquelle: picture alliance / ROPI

Der Verwaltungsrat von Renault kam am Donnerstag zusammen, um eine neue Führung einzusetzen. Ghosns Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Ghosn hatte Bolloré bereits kommissarisch den Chefsessel beim französischen Autohersteller übernommen. Thierry Bolloré ist ein entfernter Verwandter des einflussreichen französischen Milliardärs Vincent Bolloré. Der scheidende Michelin-Chef Jean-Dominique Senard übernimmt den Präsidentenposten im Renault-Verwaltungsrat.

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme war Ghosn von Nissan und Mitsubishi als Verwaltungsratschef gefeuert worden. Insbesondere in Frankreich gibt es Sorgen um den Bestand des von Ghosn aufgebauten und kontrollierten Auto-Imperiums.

Geheime Geschäfte von Ghosn?

Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Ghosn unerlaubt Millionenbeträge von einer niederländischen Tochterfirma kassiert haben soll. Ghosn habe von dem niederländischen Gemeinschaftsunternehmen Nissan-Mitsubishi B.V. (NMBV) ohne vorgeschriebene Absprache mit den beiden anderen Vorstandsmitgliedern, Nissan-Chef Hiroto Saikawa und Mitsubishi Motors-Chef Osamu Masuko, rund 7,8 Millionen Euro Entschädigung erhalten, wie die beiden Renault-Partner bekanntgaben.

Die Aktien von Renault fallen nach dem Rückzug von Ghosn an der Pariser Börse um 0,7 Prozent. Auf Ein-Jahres-Sicht hat der Kurs mehr als ein Drittel an Wert verloren.

nb