Deutsche Bank Online-HV 2020

Fast 70 Prozent Anwesenheitsquote Rekordpräsenz bei Hauptversammlungen

Stand: 24.09.2020, 09:04 Uhr

Die wegen der Corona-Pandemie eingeführten Online-Hauptversammlungen haben die Aktionäre von der Teilnahme nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Die Präsenz auf den Aktionärstreffen der Dax-Konzerne war so hoch wie nie.

Bei den bisherigen 29 der 30 Dax-Konzerne abgehaltenen Aktionärstreffen stieg die Anwesenheitsquote 2020 um 3,2 Prozentpunkte auf einen Höchstwert von 69,9 Prozent. Das hat in einer Studie das Daten- und Analysehaus Barkow Consulting ermittelt. Damit habe sich der seit Jahren anhaltende Aufwärtstrend beschleunigt fortgesetzt, meinen die Experten. Im laufenden Jahr steht nur noch die Hauptversammlung von VW aus.

Von den 30 Konzernen im Dax hatten nur Siemens und Infineon ihre Hauptversammlung noch im Februar - vor den Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie - als Präsenzveranstaltung abgehalten. Alle anderen Unternehmen hatten ihre Anteilseigner zu einer Online-Hauptversammlung eingeladen.

Höhere Anwesenheit nicht nur wegen des Online-Formats

Ob das Online-Format der Grund für die höhere Anwesenheit ist, lässt Barkow Consult offen. Eindeutig sei ein anderer Effekt: Der Dax habe mit MTU, Deutsche Wohnen und Delivery Hero drei neue Mitglieder, die im Schnitt eine deutlich höhere Anwesenheit auf den Aktionärstreffen hätten als die Absteiger Thyssenkrupp, Lufthansa und Wirecard.

MTU

MTU: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,55
Differenz relativ
+1,14%
Delivery Hero: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98,78
Differenz relativ
-1,47%
Deutsche Wohnen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
43,33
Differenz relativ
-0,05%

Den Trend zu Online-Hauptversammlungen sehen die Kapitalmarktexperten von Barkow mit Sorge, seien die Rechte der Aktionäre doch "erheblich beschnitten" worden. So wurden Fragen von Aktionären auf virtuellen Hauptversammlungen nicht immer, sondern nur nach Ermessen von Vorstand und Aufsichtsrat beantwortet. Viele Fragen wurden gebündelt. "Ob das der Corporate Governance auf Dauer so gut bekommt, ist sehr fraglich", urteilen die Autoren der Studie.

"Katastrophe für die Aktionärsdemokratie!"

Auch Aktionärsschützer und Corporate-Governance-Experten bewerten die Online-HV-Saison zwiespältig. Ingo Speich, Corporate-Governance-Verantwortlicher der Deka Bank, spricht von einer "Katastrophe für die deutsche Aktionärsdemokratie" und "massiven Schädigung der Aktienkultur". Die Anteilseigner seien regelrecht entmachtet worden. "Es gab keine Generaldebatte, Aktionäre hatten kein echtes Fragerecht, und Anfechtungen waren praktisch nicht möglich." Die Online-HVs seien reduziert worden auf ein reines Abstimmen, moniert Speich. Dabei werde verkannt, dass "eine Hauptversammlung viel mehr ist und vom Diskurs lebt". Nie waren die HV's so langweilig und emotionslos wie 2020. Als "blutleer" bezeichnet sie Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Die Unternehmen dagegen zeigten sich zufrieden mit dem Experiment der Online-Hauptversammlungen. Bayer, Allianz, Lufthansa & Co hoben positiv den straffen Ablauf, die geringeren Kosten und die bessere Vorbereitung auf die Fragerunde hervor. Manche Manager wie der Eon-Chef befürworten dauerhaft Online-HVs.

nb