Reckitt Benckiser
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Reckitt Benckiser verkauft Lebensmittelsparte Durex-Konzern: Weg mit dem Senf

Stand: 19.07.2017, 09:22 Uhr

Der britische Konsumgütermulti Reckitt Benckiser verkauft sein Lebensmittelgeschäft für 4,2 Milliarden Dollar nach Amerika. Reckitt wer? Eigentlich kennt auch hierzulande jeder Reckitt - besser gesagt seine Produkte.

Reckitt Benckiser ist ganz groß bei Putzmitteln. Finish, Cilit Bang, Calgon oder Sagrotan gehören zur Produktpalette, hier macht der Konzern seinen Hauptumsatz. Hier ist er die Nummer 1 auf dem Weltmarkt. Auch für Kosmetika wie Scholl-Fußcreme oder Clearasil gehören zum Angebot. Bekannt ist der Konzern auch für seine Durex-Kondome und frei verkäufliche Arzneimittel wie Dobendan, Nurofen und Gaviscon.

Jetzt verkauft der Konzern seine Lebensmittelsparte - dazu gehört unter anderem Senf der Marke French's - für für 4,2 Milliarden Dollar oder umgerechnet 3,6 Milliarden Euro an den US-Kräuter- und Aroma-Spezialisten McCormick. Das Geschäft soll im dritten oder vierten Geschäftsquartal (Ende November) abgeschlossen werden, wie das US-Unternehmen am frühen Mittwochmorgen mitteilte.

Zubrot für den Babynahrungs-Hersteller

Mit dem Verkauf will Reckitt den im Frühjahr eingefädelten 15,6 Milliarden Dollar schweren Kauf des Babynahrungs-Herstellers Mead Johnson finanzieren.

Im Reckitt-Konzern war die Lebensmittelsparte nur ein kleiner Brocken. Sie brachte im vorigen Jahr 411 Millionen Pfund Umsatz ein, konzernweit erlöste Reckitt Benckiser insgesamt 9,9 Milliarden Pfund.

Die Lebensmittel-Sparte war offenbar heiß umkämpft. Medienberichten zufolge wollten auch der Großkonzern Unilever und der US-Fleischproduzent Hormel Foods die Sparte kaufen.

Die deutschen Wurzeln von Reckitt

Zu den Reckitt-Eignern gehört auch die deutsche Industriellenfamilie Reimann. Sie hält noch einen Minderheitsanteil an dem britischen Konzern. Durch sie haben die Briten auch ihre deutschen Wurzeln.

Karl Ludwig Reimann gründete zusammen mit Johann Adam Benckiser 1851 eine Chemiefabrik. Die Geschäfte wachsen. Knapp 100 Jahre später erfindet Reimanns Sohn das Spülmittel Calgonit und die Zahnersatz-Reiniger Kukident. Später fusioniert der Ludwigshafener Spezialchemiekonzern Benckiser mit dem britischen Unternehmen Reckitt - und die Reimanns halten noch acht Prozent daran. Sie sind eine der verschwiegensten und auch reichsten Unternehmerfamilien in Deutschland.

Die Reimanns bauten in den vergangenen Jahren ein Kaffee- und Kosmetik-Imperium auf, zu dem zum Beispiel Senseo, Jacobs, der McDonald's Lieferant Keurig gehören. Die Unternehmer sind auch in Luxus-Lederwaren investiert, gaben aber im Frühjahr bekannt, sich vom Schuhhersteller Jimmy Choo und der Mode-Marke Bally trennen zu wollen. In der Luxusmode-Sparte hat man aber immer noch JAB Luxury GmbH und den Jacken-Spezialist Belstaff.

bs

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