Deutsche Börse in Eschborn bei Frankfurt

Cum-Ex-Deals Razzia bei Deutscher Börse

Stand: 27.08.2019, 12:49 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Köln hat jetzt auch den Börsenbetreiber bei seinen Untersuchungen zu den Cum-Ex-Deals ins Visier genommen. Räume des Unternehmens in Eschborn bei Frankfurt wurden durchsucht. Die Aktie im Dax reagiert prompt.

Mit zwei Prozent Verlust ist der Titel einer der schwächsten im Dax am Dienstagnachmittag. Die Kurse purzelten parallel zu Meldungen, wonach nun auch die Börse wegen der Ermittlungen in der Cum-Ex-Affäre durchsucht wurde.

Ein Börsen-Sprecher sagte, die Durchsuchungen fänden im Rahmen von Cum-Ex-Ermittlungen gegen Kunden und Mitarbeiter statt. Das Unternehmen werde wie in der Vergangenheit vollumfänglich mit den Behörden kooperieren. Das "Handelsblatt" hatte zuerst über die Aktion berichtet.

Behörde hüllt sich in Schweigen

Die Durchsuchungen fanden bei der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream Banking statt und begannen am Vormittag unter Federführung der Staatsanwaltschaft Köln. Ein Sprecher der Behörde bestätigte die Durchsuchungen ebenfalls. Wegen des Steuergeheimnisses wollte er allerdings keine näheren Angaben machen – insbesondere Angaben zu der Art und Weise und Orten der Durchsuchung.

Wegen des Cum-Ex-Skandals werden immer wieder Banken und andere Finanzinstitute durchsucht, darunter etwa die Deutsche Bank, Commerzbank und DZ Bank. Bei diesen sogenannten Cum-Ex-Geschäften ließen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragssteuer auf Aktiendividenden mit Hilfe von Banken mehrfach erstatten. Dazu verschoben sie um den Stichtag der Dividendenzahlung herum untereinander Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Dividendenanspruch. Insgesamt geht es bei dem Skandal um Hunderte Fälle mit einem vermuteten Gesamtschaden von mehreren Milliarden Euro.

Milliardenschaden vor Gericht

Ab Mittwoch nächster Woche stehen erstmals zwei ehemalige Händler der Hypovereinsbank vor Gericht. Zudem müssen fünf Geldhäuser den Richtern am Landgericht Bonn Rede und Antwort stehen. Bei den mutmaßlich illegalen Aktiengeschäften soll der Fiskus um mehr als 440 Millionen Euro geprellt worden sein. Den Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Steuerexperten hatten Cum-Ex-Geschäfte lange als legalen Steuertrick erachtet. Seit einigen Jahren bewerten Ermittler und Strafverfolger das Vorgehen aber fast einhellig als Steuerhinterziehung und treiben ihre Ermittlungen voran.

AB