Qiagen-Zentrale in Hilden

Thermo Fisher deckelt Angebot Qiagen: Scheitert die Übernahme?

Stand: 05.08.2020, 14:04 Uhr

Das Diagnostikunternehmen hat im zweiten Quartal wegen der starken Nachfrage nach Corona-Tests prächtig verdient. Doch die geplante Übernahme durch Thermo Fisher steht wieder in Frage.

Die Anleger scheinen jedenfalls davon auszugehen, dass die geplante Übernahme von Qiagen durch den US-Laborausrüster Thermo Fisher scheitern wird. So sind die Papiere von Qiagen heute unter die 40-Euro-Marke gefallen und notieren damit so niedrig wie seit Mitte Juli nicht mehr. "Es ist mehr als wahrscheinlich, dass das aktuelle bereits erhöhte Angebot scheitern wird", sagte ein Händler der Agentur Reuters.

Thermo Fisher hatte gestern Abend erklärt, sein Angebot über 43 Euro je Qiagen-Aktie, insgesamt 11,3 Milliarden Euro, nicht weiter erhöhen zu wollen. Es sei die "beste und letzte Offerte". Mehr werde es nicht geben, auch wenn die Übernahme dann nicht zustande kommen sollte.

Annahmequote auf zwei Drittel gesenkt

Werde die Annahmequote nicht erreicht, müsse Qiagen zudem 95 Millionen Dollar in bar an Thermo Fisher zahlen, so der Konzern. Die Annahmefrist läuft noch bis zum kommenden Montag, dem 10. August.

Das US-Unternehmen hatte sein Angebot Mitte Juli nach Gegenwind durch mehrere Qiagen-Aktionäre auf 43 von 39 Euro je Aktie angehoben. Gleichzeitig wurde die Annahmequote auf zwei Drittel von zuvor 75 Prozent gesenkt.

Hedgefonds fordert mindestens 48 Euro

Aktionäre wie der Hedgefonds Davidson Kempner, der den Widerstand anführt und rund acht Prozent von Qiagen hält, halten das Angebot immer noch für unzureichend und wollen ihre Aktien deshalb nicht verkaufen. Der Hedgefonds fordert eine Anhebung des Kaufpreises auf mindestens 48 Euro je Aktie. Auch der in Zürich ansässige Hedgefonds PSquared lehnt die Transaktion unter den derzeitigen Bedingungen ab. PSquared kontrolliert nach eigenen Angaben mehr als vier Prozent der Qiagen-Aktien.

Vorstand und Aufsichtsrat von Qiagen bekräftigen dagegen einstimmige Empfehlung an die Aktionäre, das Angebot von Thermo Fisher anzunehmen. Sie würden das Angebot uneingeschränkt unterstützen. Nach Angaben von Thermo Fisher haben Vorstand und Aufsichtsrat von Qiagen ihre Aktien bereits vollständig angedient.

Glänzendes zweites Quartal

Qiagen hat im zweiten Quartal wegen der starken Nachfrage nach Corona-Tests Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Die Nettoerlöse stiegen um 16 Prozent auf 443,3 Millionen Dollar. Währungsbereinigt betrug das Plus 19 Prozent, wie das Unternehmen bereits im Juli angekündigt hatte.

Das operative Ergebnis verdoppelte sich fast auf 118,7 Millionen Dollar. Unter dem Strich legte der Gewinn um 101 Prozent auf 89,8 Millionen Dollar zu. Der währungsbereinigte Gewinn je Aktie stieg wie zuvor prognostiziert auf 56 US-Cent.

lg