Qantas-Maschine am Hangar der Qantas Sydney Jet Base nach einem Non-Stop-Flug von 19 Stunden und 19 Minuten von London nach Sydney

Qantas einigt sich mit Piloten Weg frei für längsten Nonstop-Flug der Welt

Stand: 30.03.2020, 11:00 Uhr

Der letzte der 14 A380 der Lufthansa ist in Frankfurt gelandet. Ob einer der "Riesenvögel" je wieder abhebt, ist ungewiss. Bessere Perspektiven hat der A350. Er soll von Qantas für den längsten Passagierflug der Welt eingesetzt werden. Grünes Licht gaben jetzt die Piloten.

Der Traum vom Direktflug Sydney - London in 19 Stunden könnte bald wahr werden. Nachdem die australische Fluggesellschaft Ende 2019 mit Airbus den passenden Flugzeugbauer gefunden hat, hat sie sich nun auch mit ihren Piloten auf entsprechende Gehälter verständigt. Offenbar wirkte die Corona-Krise als entscheidendes Druckmittel.

Piloten akzeptieren Gehaltsvereinbarung

Die Piloten der Airline haben am Montag einer Gehaltsvereinbarung für die Strecke Sydney-London zugestimmt, die zuvor von der australischen und internationalen Pilotenvereinigung (AIPA) als "unbefriedigend" bezeichnet wurde. Angesichts der Bedrohung der Arbeitsplätze infolge der Corona-Krise und des unsicheren wirtschaftlichen Klimas waren die Piloten aufgefordert worden, selbst über den Deal abzustimmen.

Im Gespräch waren zuletzt Gehaltserhöhungen von drei Prozent für die 2.200 Piloten des Unternehmens gewesen - und die Anforderung, sowohl einen A350 als auch einen A330 fliegen zu können. Ein Qantas-Pilot, der einen A330 führt, erhält bisher knapp 428.000 Australische Dollar (rund 265.000 Euro) jährlich.

Bestellung für A350-Flieger bis Ende 2020 verschoben

Der größte Non-Stop-Flug der Welt soll mit einem Airbus A350-1000 erfolgen. Qantas will zwölf Exemplare des Typs kaufen. Aufgrund der Pandemie hat die Fluggesellschaft eine Entscheidung über die Bestellung der A350-1000-Flugzeuge für die Strecke von Sydney nach London bis Ende des Jahres verschoben. "Die außergewöhnlichen Umstände, unter denen sich die Luftfahrt befindet, haben dazu geführt, dass Airbus sich bereiterklärt hat, die Frist für unsere Entscheidung zum Kauf der A350 zu verlängern, damit wir uns beide auf die Bewältigung der Coronavirus-Krise konzentrieren können", sagte Qantas-Chefpilot Dick Tobiano. Aber wenn diese Periode vorbei ist, und sie wird vorbeigehen, werden wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf "Project Sunrise" und den A350-Auftrag richten", sagte er.

Qantas hatte das Ultra-Langstreckenprojekt "Project Sunrise" nach den Doppel-Sonnenaufgangs-Langstreckenflügen der Fluggesellschaft während des Zweiten Weltkriegs benannt. Wenn die Bestellung ausgeführt wird, könnten die Nonstop-Flüge ab Sydney nach London und anderen fernen Zielen wie New York im ersten Halbjahr 2023 abheben.

Corona-Krise beschleunigt Ende des A380

Lufthansa A380

Lufthansa A380. | Bildquelle: Unternehmen

Derweil steht der A380, der für solche Ultra-Langstrecken wohl auch geeignet gewesen wäre, vor dem Aus. Die Corona-Krise, die zum Stillstand an Flughäfen geführt hat, könnte den längst eingeleiteten Abschied vom größten Passagierflugzeug der Welt noch beschleunigen. Auf dem Frankfurter Flughafen ist an diesem Sonntag letztmals für lange Zeit eine Linienmaschine des A380 der Lufthansa gelandet. Wegen der weltweit zusammengebrochenen Nachfrage in der Corona-Krise parkt das Unternehmen seine komplette Flotte mit 14 Flugzeugen dieses Typs auf unbestimmte Zeit an den Drehkreuzen Frankfurt und München.

Mit mehr als 800 Plätzen war der "Riesen-Vogel" meist schwer zu befüllen. Zudem machten neue Langstreckenflugzeuge mit kerosin-genügsameren Doppeltriebwerken sogenannte Punkt-zu-Punkt-Verkehre attraktiver. Die Passagiere nutzen gerne neue Direktverbindungen, anstatt mehrmals über die Hubs umzusteigen.

Singapore Airlines wrackte den "Riesenflieger" ab

Airbus konnte für sein größtes Flugzeug nur 251 Bestellungen einsammeln, von denen aktuell bereits 242 ausgeliefert sind. Hauptkunde waren die arabischen Emirates, die 115 Maschinen betreiben. Vor gut einem Jahr wurde schließlich die Produktionseinstellung verkündet. Für Singapore Airlines rechneten sich die Riesenflieger so schlecht, dass bereits zwei Maschinen abgewrackt wurden, um wenigstens die Komponenten zu Geld zu machen.

"Die A380 war noch nie das profitabelste Fluggerät. Das haben alle Betreiber gemerkt", sagt der Airborne-Berater Gerald Wissel. Es werde zwar auch nach der Krise noch Strecken geben, auf denen sich ein Einsatz eines solch großen Flugzeuges rechnet. "Aber es werden sicher weniger A380 wieder in die Luft gehen als vor Corona."

nb