Puma-Chef Björn Gulden

Mit Kostensenkungen gegen die Krise Puma-Vorstand verzichtet auf Gehalt

Stand: 03.04.2020, 15:01 Uhr

Wegen der wochenlang geschlossenen Läden müssen die großen deutschen Sportartikelhersteller Kosten senken und Kredite aufnehmen. Puma streicht jetzt komplett die Dividende - und die Gehälter der Vorstände.

Die Führungsspitze des Herzogenauracher Unternehmens verzichtet zu 100 Prozent auf die Gehälter – zunächst allerdings nur begrenzt auf den Monat April. Ob die Vorstände danach weiter kostenlos arbeiten, ist unklar. Vor Mai werde die Situation neu beurteilt, sagte ein Sprecher. Um weiteres Geld einzusparen, sollen auch die Gehälter der Mitglieder des obersten Führungskreises um 25 Prozent gekürzt werden.

Dividende gestrichen

Die Puma-Aktionäre gehen ebenfalls leer aus. Der Sportartikelhersteller setzt wegen der Corona-Krise die Dividende aus. Wegen der "stark negativen Auswirkungen" auf das Geschäft solle der Hauptversammlung ein entsprechender Vorschlag gemacht werden, teilte der MDax-Konzern mit. Das Aktionärstreffen soll wie geplant am 7. Mai stattfinden - in digitaler Form, wie es der Gesetzgeber seit neuestem ermöglicht.

Momentan reduziere das Unternehmen Kosten und Geldabfluss wo immer möglich und ergreife Maßnahmen zur Sicherung der Finanzierung, teilte Puma weiter mit. Das sei in der derzeitigen Krise von entscheidender Bedeutung. Die Aussetzung der Dividende sowie den vorerst kompletten Verzicht des Vorstands auf sein Gehalt erachtet Puma in diesem Kontext als richtigen Schritt.

Millionen-Kredit soll aufgenommen werden

Das wird allerdings nicht reichen, um die Krise zu überbrücken. Ähnlich wie Adidas will Puma nun auch einen neuen Kredit aufnehmen, an dem sich die Staatsbank KfW beteiligt. Finanzkreisen zufolge geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag. Die Herzogenauracher bestätigen Gespräche mit einem Bankenkonsortium. "Dieses Konsortium greift auf die KfW zurück, um mehr Liquidität bereitstellen zu können", erklärte der weltweit drittgrößte Sportartikelausrüster.

Puma leidet sehr unter der Virus-Krise. Mit Ausnahme von China, Japan und Südkorea seien momentan fast alle Puma-Geschäfte und die der Partner geschlossen, hieß es. Zwar laufe der Online-Verkauf noch in fast allen Märkten, doch mache dieser weniger als zehn Prozent des Konzerngeschäfts aus. Dies habe zu einem deutlichen Rückgang bei den Erlösen und beim Barmittelzufluss geführt. Wie lange diese Situation anhalten werde, sei derzeit nicht absehbar, hieß es weiter.

Puma-Aktie stolpert

Puma: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
76,56
Differenz relativ
-3,75%

Bei Anlegern kamen die Nachrichten schlecht an. Die Puma-Aktie fällt am Freitag um über vier Prozent. Im laufenden Jahr haben die Papiere fast 30 Prozent eingebüßt. Auf längere Sicht sieht es dagegen noch deutlich besser aus. In den zurückliegenden drei Jahren steht für die Titel ein Plus von rund 70 Prozent zu Buche.

Erst vor wenigen Wochen war Puma wegen der Virus-Folgen und der damit einhergehenden Unsicherheiten bei der Jahresprognose zurückgerudert. Es sei unmöglich, eine Vorhersage zur Geschäftsentwicklung in den kommenden Wochen und Monaten zu machen, den negativen Effekt auf Umsatz und Gewinne könne Puma nicht quantifizieren. Bei der Bilanzvorlage im Februar hatte Puma für 2020 noch deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn in Aussicht gestellt.

Adidas braucht ebenfalls frisches Geld

Ähnlich stark wie Puma leidet Adidas unter den geschlossenen Läden. Deshalb hatte das Unternehmen angekündigt, die Mieten für die geschlossenen Ladenlokale stunden zu lassen. Daraufhin gab es einen Shitstorm gegen Adidas. Zahlreiche Politiker nannten die Entscheidung unverständlich, in sozialen Medien hagelte es Boykottaufrufe. Am Mittwoch entschuldigte sich Adidas – und lenkte ein. Die Mieten für April seien überwiesen worden.

Adidas benötigt wegen der Krise frische Liquidität. So überlegt der weltweit zweitgrößte Sportartikler laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, einen Kredit von ein bis zwei Milliarden Euro bei der Staatsbank KfW zu beantragen. Adidas werde Kredite brauchen, aber keine direkte Staatshilfe, sagte eine Sprecherin, ohne eine Summe zu nennen.

nb