Prosus IPO in Amsterdam

Wertvollstes Unternehmen in den Niederlanden Prosus: Spektakuläres Börsendebüt für Naspers-Tochter

Stand: 12.09.2019, 11:32 Uhr

Die Tochter des südafrikanischen Medienriesen Naspers hat ein fulminantes Debüt an der Börse hingelegt. Auf einen Schlag ist Prosus zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen in den Niederlanden aufgestiegen - nach eigenen Angaben sogar zum größten Internetkonzern Europas.

An der Börse in Amsterdam lag der Eröffnungskurs für die Aktien von Prosus am Mittwoch bei 76,00 Euro - mehr als 29 Prozent über dem Referenzpreis von 58,70 Euro. Nach Berechnungen der niederländischen Nachrichtenagentur ANP ist die Tochter des südafrikanischen Internetkonzerns Naspers mit Sitz in Amsterdam auf Anhieb der wertvollste Konzern des deutschen Nachbarlandes geworden. 122 Milliarden Euro war Prosus demnach am Tag des IPOs wert. Zum Referenzpreis wurde die Firma noch mit 95 Milliarden Euro bewertet.

Am Donnerstag notieren die Papiere am Vormittag auf der Handelsplattform Tradegate deutlich im Minus.

Bob van Dijk, CEO Naspers

Naspers-Chef Bob van Dijk. | Bildquelle: Unternehmen

Prosus sei nun "der größte, auf Konsumenten gerichtete, börsennotierte Internetkonzern" in Europa, teilte die Muttergesellschaft Naspers mit. Vorstandschef Bob van Dijk sprach von einem guten und wichtigen Börsenstart: "Die Börsennotierung von Prosus ist für die Gruppe ein aufregender Schritt vorwärts." Nach der Abspaltung von Prosus waren die Aktien von Naspers an der Börse in Johannesburg zunächst abgesackt, bevor sie ins Plus drehten.

Naspers: Der Gigant in Afrika

In Prosus sind die Beteiligungen von Naspers an Internetunternehmen wie die 31 Prozent am chinesischen Konzern Tencent oder die 23 Prozent an dem Essenslieferanten Delivery Hero gebündelt. Zudem hält Naspers über Prosus Anteile an der brasilianischen Lieferdienst-Seite iFood. 70 Prozent von Prosus gehört weiterhin den Südafrikanern.

Der über 100 Jahre alte Konzern mit Sitz in Kapstadt ist der unangefochtene Riese in ganz Afrika. Naspers ist mehr als dreimal so viel wert als alle südafrikanische Goldförderer oder der dominierende Mobilfunkanbieter MTN zusammen. Und der Erfolg hat einen Namen: Tencent.

2001 investierte der damalige Vorstandschef und amtierende Aufsichtsratschef, Koos Bekker, 32 Millionen Dollar in das zu der Zeit unbekannte chinesische Startup. Heute zahlt sich das Vertrauen aus. Die Beteiligung von 31 Prozent an dem Internetgiganten und Entwicklers von Spielen wie Fortnite ist mittlerweile satte 130 Milliarden Dollar wert.

Probleme an der Börse gelöst?

Das Problem bisher: An der Börse Johannesburg (JSE) dürfen institutionelle Investoren ihr Geld nur beschränkt in einzelne Unternehmen stecken. Daher müssen sie immer wieder Naspers-Aktien abgeben, damit ihr Portfolio ausgeglichen ist. Je nach Marktlage fällt mindestens ein Viertel der Marktkapitalisierung der JSE auf Naspers.

Außerdem waren ausländische Anleger bisher wegen der Währungsrisiken eher vorsichtig. Denn wer über Naspers indirekt an Tencent beteiligt sein wollte, musste einen hohen Abschlag hinnehmen. An der Amsterdamer Börse gibt es die Schwierigkeiten nicht mehr. CEO van Dijk hofft, dass der Wert der Internetbeteiligungen des Konzerns jetzt besser zum Tragen kommt.

Durch die Bündelung der Beteiligungen in Prosus werden mit der Naspers-Aktie an der JSE künftig nur noch der Prosus-Anteil, die Medien und der südafrikanische Onlinehändler Takealot gehandelt. Früher war Naspers ein Zeitungshaus. Jetzt hofft der Konzern, die Position in Europa für den Ausbau des Geschäfts außerhalb von Tencent zu nutzen.

Zukäufe realistisch

Mit Prosus stehe Naspers nun ein börsennotiertes Vehikel zur Verfügung, um Zukäufe im Online-Rubrikenmarkt zu tätigen, schrieb der Experte Ian Whittaker vom Analysehaus Liberum. Dabei seien Essenslieferdienste ein offensichtliches Ziel. Whittaker kann sich zum Beispiel ein Gegengebot für Takeaway.com vorstellen, an dem der Wettbewerber Just Eat interessiert ist. Dieser wiederum sei zusammen mit Naspers bei iFood im Boot, betonte der Experte.

Jüngst hatte es unter Just-Eat-Investoren Widerstand gegen die geplante Fusion mit Takeaway.com gegeben. So hatte der Vermögensverwalter Eminence Capital angekündigt, dass er gegen den Deal stimmen werde. Die Profi-Anleger stoßen sich an den Fusionsdetails, die ihrer Meinung nach eine zu niedrige Bewertung von Just Eat widerspiegeln.

tb

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