Monitor mit den ProSiebenSat.1-Marken

Aktie auf Zehnjahrestief Anleger wenden sich von ProSiebenSat.1 ab

Stand: 05.03.2020, 13:12 Uhr

Die Vergangenheit enttäuschend, die Zukunftsaussichten eher finster: Nach den schwachen Jahreszahlen des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 drücken die Investoren auf den Verkaufsknopf. Das Ergebnis: ein Zehnjahrestief.

Zeitweise stürzten die Titel von ProSiebenSat.1 um rund zehn Prozent ab. Ihr Tagestief markierten sie bei 9,61 Euro – so niedrig war der Preis für eine Aktie zuletzt vor zehn Jahren. Im Herbst 2015 kostete sie noch mehr als 50 Euro. Allein in den letzten zwölf Monaten verbilligte sich ProSiebenSat.1 um fast ein Drittel.

Die frischen Zahlen haben den nun schon seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend beschleunigt. Im abgelaufenen Jahr sank das bereinigte Ebitda um 14 Prozent auf 872 Millionen Euro, obwohl der Umsatz um 3 Prozent auf 4,14 Milliarden Euro zulegte. Analysten hatten bei beiden Kennzahlen etwas mehr erwartet.

Die Einnahmen aus TV-Werbung schrumpften um fünf Prozent. Wachstumstreiber waren die Online-Parfümerie Flaconi, digitale Werbung und das relativ kleine Produktionsgeschäft. Der Gewinn legte zwar um 66 Prozent auf 413 Millionen Euro zu und übertraf die Erwartungen von Experten. Der Anstieg lag vor allem an geringeren Sonderbelastungen als im Vorjahr, als hohe Abschreibungen auf Ladenhüter im Programm zu Buche schlugen. Die Dividende soll von 1,19 Euro im Vorjahr auf 0,85 Euro je Aktie sinken.

"Schätzungen überprüfen"

Besonders zu schaffen machte den Anlegern aber der Ausblick. Für das laufende Jahr peilt Vorstandschef Max Conze ein bereinigtes Ebitda in der gleichen Größenordnung an. Der Umsatz soll auf 4,3 Milliarden Euro steigen. "In diesem Ausblick sind jedoch die möglichen Auswirkungen, die eine weitere Ausbreitung des Coronavirus auf Investitionsentscheidungen von Werbekunden haben könnte, nicht berücksichtigt", sagte Finanzvorstand Rainer Beaujean.

Im TV-Werbegeschäft rechnet ProSiebenSat.1 mit einem "schwachen Jahresstart und einer besseren Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte". Der für 2020 angepeilte Konzernumsatz von 4,2 bis 4,3 Milliarden Euro bleibe hinter den Markterwartungen zurück, schrieb Analyst Christoph Bast vom Bankhaus Lampe. Gleiches gelte für das operative Ergebnis.

"Im Hinblick auf den zunehmenden Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Zuschauer, die Budgets der Werbeindustrie und attraktive Inhalte wird die Marge im Unterhaltungsgeschäft weiterhin unter Druck bleiben", prognostizierte sein Kollege Harald Schnitzer von der DZ Bank. Er werde daher seine Schätzungen überprüfen.

Max Conze

Max Conze, CEO von ProSiebenSat.1. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Zukauf in den USA

ProSiebenSat.1 investiert unterdessen weiter in den Umbau zu einem "diversifizierten Digitalkonzern". Damit will das Management den Umsatzanteil außerhalb des Kerngeschäfts steigern und das Geschäft seiner Partnervermittlungen Parship, ElitePartner und Eharmony mit einer Übernahme in den USA stärken.

Über die Tochter NuCom, an der auch der Finanzinvestor General Atlantic beteiligt ist, will ProSiebenSat.1 nun das Online-Dating- und Social-Entertainment-Unternehmen The Meet Group aus den USA kaufen. The Meet Group wird bei dem Deal mit 500 Millionen US-Dollar bewertet.

ts