ProSiebenSat.1-Serie Akte X
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Dividenden- und Prognosekürzung ProSiebenSat.1 verärgert die Anleger

Stand: 08.11.2018, 11:44 Uhr

Anleger haben keine Lust mehr auf deutsche Medien-Aktien: Seit Jahresbeginn sind die Titel von ProSiebenSat.1 und RTL eingebrochen. Am Donnerstag sacken sie weiter ab. ProSiebenSat.1 hat gleich doppelt negativ überrascht.

Weder die Castingshow "Germany's next Topmodel" noch die Verkupplungsstaffel "Bauer sucht Frau" konnten helfen. Die TV-Senderkette senkte am Mittwochabend ihre Jahresziele und kürzte auch noch die Dividende. Der Umsatz wird 2018 nicht wie geplant steigen, sondern um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz auf rund vier Milliarden Euro fallen. Das Ergebnis wird in diesem Jahr mit Abschreibungen von bis zu 400 Millionen Euro belastet.

Als Grund nannte der Medienkonzern die Entkonsolidierungen des Video-on-Demand-Portals Maxdome, des Online-Fitness-Anbieters 7NXT und des Reiseveranstalters Tropo. Zudem will ProSiebenSat.1 mehr investieren – für Nachbesserungen am Programm und den Ausbau seiner Internetportale.

Weniger Dividende geplant

Das geht zu Lasten der Dividende. Die TV-Senderkette plant eine geringere Ausschüttung. Für 2018 sollen die Aktionäre nur noch 50 Prozent des bereinigten Konzernüberschusses erhalten. Zuvor waren es 80 bis 90 Prozent gewesen.

Im dritten Quartal brach der bereinigte Überschuss um fast ein Viertel auf 75 Millionen Euro ein. De Umsatz stieg nur leicht um ein Prozent auf 892 Millionen Euro.

"Warum noch ProSieben-Aktien kaufen?"

"Das ist schon wieder recht enttäuschend", meinte ein Händler. "Warum sollte noch jemand Aktien von ProSieben kaufen?", fragt er. Bereits 2017 hatte ProSiebenSat.1 die Investoren mit zwei Gewinnwarnungen vertrieben.

Die Aktien von ProSiebenSat.1 stürzen am Donnerstag um rund 17 Prozent ab und erreichen mit 16,93 Euro den tiefsten Stand seit Anfang 2012. Seit Jahresbeginn haben die MDax-Titel rund 28 Prozent eingebüßt.

RTL sackt ebenfalls ab

RTL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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52,45
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Nicht viel besser erging es RTL: Die Aktien des Fernsehkonzerns haben in diesem Jahr gut 16 Prozent verloren. Am Donnerstag geben sie sechs Prozent nach – im Negativsog von ProSiebenSat.1.

Zwar bestätigte RTL seine Jahresprognose. Demnach soll der Umsatz um 2,5 bis fünf Prozent zulegen, das Betriebsergebnis ohne Sondereffekte werde stagnieren. Für Enttäuschung sorgten aber die schwächeren TV-Werbeerlöse, die das Geschäft im dritten Quartal bremsten. Das Ebitda reduzierte sich um 3,4 Prozent auf 254 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs dagegen um 3,6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro – dank der gut laufenden Digital-Aktivitäten und guter Geschäfte der Produktionstochter Freemantle.

nb

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