ProSiebenSat.1-Serie Akte X

Short-Angriff mit jurstischen Folgen? ProSiebenSat.1 will zurückschlagen

Stand: 07.03.2018, 15:04 Uhr

Gegen Short-Attacken auf ihre Aktien sind Unternehmen meist machtlos. Die Kursverluste der Aktie von ProSiebenSat.1, die ein umstrittener Research-Bericht ausgelöst hat, sind noch nicht verdaut. Das Unternehmen wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.

Für den Medienkonzern sind es harte Tage: Am Montagabend wurde bekannt, dass die Aktie von ProSiebenSat.1 aus dem Dax fliegt. Und tags drauf lancierte das "Analysehaus" Viceroy eine Studie, in der dem Unternehmen fragwürdige Bilanzierungspraktiken vorgeworfen wurden. ProSiebenSat.1 stehe womöglich vor einer Kapitalerhöhung oder einem Ausfall der Dividende.

Darstellung "irreführend"

Das hat der Konzern nun am Mittwoch zurückgewiesen. Die Darstellung des Unternehmens in der 37-seitigen Studie sei "irreführend", so das Unternehmen. Man werde sich weiterhin darauf konzentrieren, "Wert für alle Aktionäre" zu schaffen. ProSiebenSat.1 prüft nach eigener Aussage nun auch juristische Schritte gegen die Verfasser der Studie.

Eher unfreiwillig Wert geschaffen hat die Aktie am Dienstag durch ihren ruckartigen Rückgang für Viceroy selbst. Das Unternehmen ist nämlich als Short Seller bekannt und hatte die Aktie des Dax-Mitglieds zuvor "leer verkauft", um sich nach Bekanntgabe der Studie zu niedrigeren Kursen wieder einzudecken.

Finger in die Wunde gelegt?

Solche "Short-Attacken" sind an der Börse eigentlich leidlich bekannt, verfehlen aber dennoch selten ihre Absicht. So gab die Medienaktie am Dienstag um bis zu acht Prozent ab und können auch am Mittwoch nur einen Teil der Kursverluste wieder ausgleichen. Einige Investoren vermuten offenbar, dass die Verfasser der Studie durchaus einen Finger in die Wunde bei ProSiebenSat.1 gelegt haben. Allerdings dürfte auch der Abstieg aus dem Dax bereits am 19. März den Titel belastet haben.

Ähnliche Attacken hatten in den vergangenen Jahren auch ThyssenKrupp, das TecDax-Unternehmen Wirecard und der MDax-Titel Ströer zu überstehen. Viceroy hatte zuletzt den Möbelkonzern Steinhoff aufs Korn genommen. Da dort tatsächlich Bilanztricksereien vorkamen, dürfte die Studie zu ProSiebenSat.1 noch mehr Wirkung entfaltet haben.

Experten sehen Aktie weiter als Kauf an

Analysten halten dem Medienunternehmen dagegen fast einmütig die Stange. Die Experten der Commerzbank etwa sehen die Medienaktie weiterhin als "Kauf" an und halten auch an ihrem Kursziel von 37 Euro fest. Auch die US-Bank JPMorgan hat ihre Einstufung für ProSiebenSat.1 nach der Attacke auf "Overweight" mit einem Kursziel von 45 Euro belassen. Die erhobenenen Anschuldigungen über unlautere Bilanzierungspraktiken des Medienkonzerns seien unbegründet, so Analyst Daniel Kerven in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Er hob seine Ebitda-Prognosen für die Jahre 2018 bis 2020 leicht an.

AB