Monitor mit den ProSiebenSat.1-Marken

Bundeskartellamt gibt grünes Licht für Werbebündnis ProSieben: Investitionen bremsen Gewinn

Stand: 07.08.2019, 10:58 Uhr

Programminhalte, digitale Plattformen und Werbung - die TV-Gruppe ProSiebenSat.1 gibt ordentlich Geld aus. Gleichzeitig leidet der Medienkonzern unter sinkenden Werbeerlösen. Das macht sich bemerkbar. Bündnisse soll das jetzt ändern.

Die geplanten Investitionen ins TV-Geschäft schmälern im zweiten Quartal den Gewinn der Fernsehgruppe. Das Ebitda sank zwischen April und Juni binnen Jahresfrist um 18 Prozent auf 213 Millionen Euro, wie der Konzern aus Unterföhring am Mittwoch mitteilte.

Die Gründe dafür seien die angekündigten Ausgaben in Programminhalte, digitale Plattformen und Werbetechnologien. Während der Umsatz um vier Prozent auf 947 Millionen Euro zulegte, sank der Überschuss wie geplant um 38 Prozent auf 85 Millionen Euro.

Max Conze

Max Conze. | Bildquelle: picture alliance / Lino Mirgeler/dpa

"Wir sind überzeugt, dass sich das auszahlen wird und wir mit unserer Strategie, auf lokale Inhalte und digitale Verbreitung zu setzen, auf dem richtigen Weg sind", versicherte Vorstandschef Max Conze. Er sprach von wichtigen Investitionen in die Zukunft des Konzerns.

Konzern leidet unter sinkenden Werbeerlösen

Der Zuschaueranteil sei der beste seit vier Jahren, teilte ProSiebenSat.1 mit. Die Senderkette hatte zuletzt in lokale Inhalte investiert und im Juni eine Streaming-Plattform gestartet. Joyn hat nach Angaben des Konzerns über 3,8 Mio monatliche Nutzer. "Wir machen gute Fortschritte bei der Transformation von ProSiebenSat.1 und setzen um, was wir angekündigt haben", sagte Conze. Dennoch sanken die Erlöse im Werbegeschäft um drei Prozent.

Trotz des schwächer als erwarteten TV-Werbemarktes hält das Unternehmen nach den ersten sechs Monaten an den Geschäftszielen für 2019 fest. Demnach sollen die Erlöse im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen und die Ebitda-Marge auf 22 bis 25 Prozent sinken.

Die Aktie von ProSiebenSat.1 büßte ihren vorbörslichen Kursgewinn von fünf Prozent im frühen Handel komplett ein. Zuletzt notierte sie aber wieder im Plus.

Grünes Licht für Gemeinschaftsunternehmen

Mit viel zielgenauerer Fernsehwerbung wollen RTL und ProSiebenSat.1 den Internetriesen Google und Co. wieder Werbekunden abjagen - und zwar gemeinsam. Das Bundeskartellamt genehmigte das angestrebte Gemeinschaftsunternehmen für Werbekunden. Durch das Bündnis sollen die Zielgruppen im Bereich Addressable TV und Onlinevideo deutlich einfacher angesprochen werden.

Bis 2022 soll der Markt im einstelligen Milliardenbereich liegen. Derzeit sind schon rund 18 Millionen TV-Geräte im deutschsprachigen Raum für Addressable TV erreichbar. Mit dem Internet verbundene Fernsehgeräte laufen über dieselben Router wie die Smartphones, Tablets und Computer im selben Haushalt - und machen so individualisierte Werbung auf dem Bildschirm zuhause möglich. Bei der gleichen Sendung können die Zuschauer also unterschiedliche Spots zu sehen bekommen.

Im Kampf um junge Nutzer verbündet sich ProSiebenSat.1 außerdem mit seinem Angstgegner Facebook. Im Rahmen einer umfangreichen Kooperation beliefert der deutsche Fernsehkonzern künftig die Videoplattform Facebook Watch mit Videoclips von Sendungen wie "Germany's next Topmodel" und "Galileo".

Kritik am Management

Auf der Hauptversammlung hatten die Aktionäre im Juni den Vorstand der TV-Senderkette harsch kritisiert. Den Börsenwert zu halbieren und dann die Vorstandsgehälter um 60 Prozent zu steigern, erscheine wie "der blanke Wahnsinn", monierte etwa Elisa Haralampides von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Drei Millionen Euro Antrittsprämie für den vor einem Jahr gekommenen Vorstandschef Conze seien angesichts des heutigen Zustands der Firma "nicht nachvollziehbar".

Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, sie könne die sehr erheblichen Zahlungen nicht ganz verstehen. Conze lege den Fokus auf die richtigen Entwicklungen, aber ProSiebenSat.1 erkaufe sich seine Qualitäten "vielleicht ein bisschen zu teuer".

tb