Prokon-Unternehmenszentrale in Itzehoe

Prokon

Stand: 02.05.2019, 15:53 Uhr

Wer hat’s aufgedeckt: "taz" und der Unternehmer Klaus Boe

Bei der Pleite des Umweltenergieunternehmens Prokon (Projekte und Konzepte) im Jahr 2014 handelt es sich um einen Skandal mit Ansage, zu dem es bei einem beherzten Durchgreifen der Finanzaufsicht nicht hätte kommen müssen - zumindest nicht in dem dann erfolgten Ausmaß.

Denn bereits im Jahr 2008 war Prokon der BaFin unangenehm aufgefallen. Damals ging es um mehrere geschlossene Fonds, durch die sich Anleger an Windenergieprojekten beteiligen konnten. Prokon versprach seinen Investoren fünf bis sieben Prozent Zinsen - komme was wolle. Genau daran störte sich die BaFin. Feste Ausschüttungen ohne Rücksicht auf Gewinne oder Verluste seien ein Geschäftsmodell, das nur Banken betreiben dürften - so die Behörde. Gleichzeitig ordnete die BaFin an, die Fonds abzuwickeln und die Anleger auszuzahlen.

Das Problem dabei: Das Unternehmen hatte nicht so viel Geld, die Anleger zu diesem Zeitpunkt auszuzahlen. Nach Berechnungen der "SZ" hatten Ende 2008 etwa 12.990 Anleger rund 211,5 Millionen Euro bei Prokon angelegt.

 Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus (r) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin

Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus (r) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Doch wie konnte Prokon-Chef Carsten Rodbertus (im Bild rechts) dennoch sechs weitere Jahre die Insolvenz seines Unternehmens herauszögern? Ganz einfach: Prokon gab mit Segen der BaFin Genussscheine mit einer Verzinsung von acht Prozent aus. Mit dem frischen Geld wurden einfach die Fondsanleger ausbezahlt. Die Aufsichtsbehörde war zufrieden.

Gut ein Jahr später, im Februar 2010, warnte die Berliner Tageszeitung "taz" vor den Risiken der Genussscheine. Dabei stützte sich die Zeitung auf Aussagen des Unternehmens Klaus Boe. „Prokon-Anleger glauben, in Windräder und biogene Kraftstoffe zu investieren“, wurde Boe zitiert, ein Unternehmer aus dem Sauerland, der sich 2003 noch als Gesellschafter in einen Windkraftfonds von Prokon einkaufte. „Faktisch wird das Geld mit totalem Verlustrisiko auf Vertrauensbasis an die Prokon-Genussrechte-Firma verliehen, die es in einem kaum durchschaubaren Geflecht anderer Prokon-Firmen weiterverleiht.“ Boe erhob schwere Vorwürfe: „Die Prokon-Gruppe erwirtschaftet keinen echten Gewinn. Und weiter: “Prokon betreibt ein Schneeballsystem, das in wenigen Jahren komplett crashen und zu einem der größten Skandale der deutschen Windbranche werden könnte.“ Eine Reaktion der BaFin ist nicht dokumentiert.

Auch die Stiftung Warentest warnte, die Verbraucherzentrale Hamburg erwirkte sogar ein Urteil, in dem Prokon irreführende Werbung für die Genussscheine verboten wurde. Reaktion der BaFin: siehe oben.

Im Jahr Januar 2014 meldete Prokon Insolvenz an: Zu diesem Zeitpunkt hatten mehr als 75.000 Anleger rund 1,4 Milliarden Euro in Prokon investiert. Das Siebenfache der ursprünglichen Investitionssumme vor dem Einschreiten der BaFin.

ME