ProSiebenSat1

Mehr Zuschauer, aber weniger Werbeeinnahmen ProSiebenSat.1 sendet rote Zahlen

Stand: 31.07.2020, 11:13 Uhr

Die Werbeflaute hat die TV-Senderkette im zweiten Quartal hart getroffen. Weil weniger Spots geschaltet wurden, rutschte ProSiebenSat.1 in die Verlustzone. Die Aktie sackt zweistellig ab.

Zwar war lineares Fernsehen in der Corona-Krise wieder stärker gefragt. ProSiebenSat.1 zählte in den vergangenen Monaten mehr TV-Zuschauer als im Vorjahreszeitraum. Dafür aber hielten sich die Werbekunden zurück. Zudem mussten Fernsehproduktionen wegen der Abstandsregeln verschoben werden.

Mehr Umsatz nur bei der Partnervermittlung und bei Parfums

Junge Frau, Montage aus Pro7- und Parship-Logos

Pro7 steigt bei Parship ein. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Die Folge: Der Konzernumsatz brach im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 709 Millionen Euro ein. Die Erlöse im Kerngeschäft Unterhaltung und im Produktionsgeschäft schrumpften um ein Drittel. Nur die Konzerntochter Nucom konnte ihren Umsatz dank der Partnervermittlung Parship und der Online-Parfümerie Flaconi leicht steigern.

Ausgebliebene Fernseh-Werbebuchungen in der Corona-Krise brockten ProSiebenSat.1 rote Zahlen ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 61 Millionen Euro in den Büchern. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen im gleichen Zeitraum noch 85 Millionen Euro verdient. Das bereinigte Ebitda blieb wenigstens positiv, sank aber von 213 auf 23 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr verbucht ProSiebenSat.1 einen Verlust von 30 Millionen Euro.

Hoffen auf das zweite Halbjahr

Der neue ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean sieht ein wenig Licht am Ende des Tunnels: Im Juli seien die Werbeerlöse nur noch um 20 Prozent niedriger gewesen als im Vorjahr, sagte er. Und im August zeichne sich aktuell mit einem Minus von rund zehn Prozent eine weitere Verbesserung ab. "Weiterhin fokussieren wir uns auf unser konsequentes Kosten- und Cash-Management und blicken optimistischer auf den Herbst", erklärte Beaujean. Schließlich erwirtschafte das Unternehmen in den Monaten von September bis Dezember in der Regel die Hälfte seines operativen Ergebnisses.

Allerdings werde es nicht möglich sein, die bis Herbst entstanden Rückgänge bis Jahresende aufzuholen, warnte Beaujean. Angesichts der Unsicherheit über den Fortgang der Corona-Pandemie wagte die TV-Senderkette erneut keine Jahresprognose.

Aktien auf Talfahrt

Das kommt gar nicht gut an der Börse an. Die Aktien von ProSiebenSat.1 sacken am Freitagvormittag um über zehn Prozent auf 8,61 Euro ab und fallen auf den niedrigsten Stand seit Anfang Mai. Sie ziehen auch die Titel von RTL mit nach unten, die um 2,7 Prozent nachgeben. Analyst Christoph Bast vom Bankhaus Lampe monierte, dass das Management des Medienkonzerns nach wie vor keinen detaillierten Ausblick habe geben können. Auch ein Händler bemängelte, dass angesichts des fehlenden Ausblicks die Unsicherheit mit Blick auf den Rest des Jahres fortdauere.

nb