Max Conze

Rückbesinnung aufs Kerngeschäft ProSiebenSat.1-Chef gibt auf

Stand: 27.03.2020, 08:47 Uhr

Chefwechsel bei der TV-Senderkette: Nach nur knapp zwei Jahren an der Spitze wirft Max Conze hin. Der frühere Staubsauger-Manager war zuletzt stark in die Kritik geraten. Nun richtet sich ProSiebenSat.1 neu aus.

Der zuletzt ins Übernahmevisier der italienischen Mediaset geratene Medienkonzern konzentriert sich künftig wieder mehr aufs Kerngeschäft mit Fernsehen und Unterhaltung. Dazu zählen vor allem die Fernsehsender ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 in Deutschland, Österreich und der Schweiz und die Internet-Plattform Joyn. Auch die Produktion von Film- und Fernsehformaten bei den Red Arrow Studios und Studio71 gehöre dazu. Unter anderem über die Streaming-Plattform Joyn solle die digitale Reichweite weiter ausgebaut werden.

Mehrere Beteiligungen sollen abgestoßen werden

Die bestehenden Beteiligungen, die von Werbung auf den Unterhaltungsplattformen profitierten, sollen hingegen "zu gegebener Zeit veräußert" werden. Das kündigten die Münchner in der Nacht zum Freitag an.

Conze hatte erst vor kurzem dem amerikanischen App-Entwickler Meet Group für 500 Millionen Dollar hinzugekauft. Er wollte zusammen mit den bestehenden Beteiligungen Parship und ElitePartner einen führenden Anbieter im Online-Dating-Markt schmieden. An der Tochter NuCom, in der die jungen Unternehmen gebündelt sind, ist auch der Finanzinvestor General Atlantic beteiligt.

Führungsquerelen seit Monaten

Der ProSiebenSat.1-Chef, der vor knapp zwei Jahren vom Staubsaugerhersteller Dyson geholt worden war, geriet zuletzt heftig in die Kritik, weil Erfolgsmeldungen ausblieben und der Aktienkurs immer weiter absackte. Zudem eckte Conze mit anderen Vorstandsmitgliedern an. Der Streit in der Führung war vor wenigen Wochen eskaliert, als der stellvertretende Vorstandschef Conrad Albert nach 15 Jahren im Unternehmen wegen kritischer Äußerungen gehen musste. Der Medienpolitik-Experte hatte in einem Interview von einer "Vorstands-Soap-Opera" gesprochen und klar gemacht, dass er seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag unter der Ägide von Conze nicht verlängern wolle.

Nachfolger von Conze soll der 51-jährige Rainer Beaujean werden, der erst im Juli vom Verpackungskonzern Gerresheimer gekommen war. Beaujean kennt sich in der Medienbranche aus. Er war bei T-Online Finanzvorstand und später Vorstandssprecher. Neu im Vorstand sind ab sofort die ProSiebenSat.1-Manager Christine Scheffler (Personal) und Wolfgang Link (Entertainment).

Aktien legen zu

Die Anleger reagieren erfreut auf den Chefwechsel. Die Aktie von ProSiebenSat.1 steigt vorbörslich um knapp fünf Prozent. Auf Ein-Jahres-Sicht hat sich der Kurs mehr als halbiert. Die Aktionärsschützer des DSW haben ProSiebenSat.1 auf die Top-Ten-Liste der größten Kapitalvernichter gesetzt. Die Corona-Krise dürfte die Medienbranche hart treffen, weil Werbeeinnahmen wegbrechen.

Mit dem Chefaustausch könnten die Übernahmespekulationen um ProSiebenSat.1 neu angeheizt werden. Für Spekulationen hatte zuletzt der Einstieg von zwei Investoren gesorgt: Der italienische Medienriese Mediaset hatte sein Aktienpaket erst kürzlich auf fast 20 Prozent aufgestockt. Ihm schwebt ein europäischer Fernsehkonzern mit ProSiebenSat.1 vor. Gegen diese Idee hatte sich Conze immer gesträubt. Die tschechische Czech Media Invest, hinter der der Milliardär und Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky steckt, nutzte den Kursverfall bei ProSiebenSat.1, um ihren Anteil auf zehn Prozent aufzustocken.

nb