Blick durch eine Lupe auf blauen Kurs und absteigenden Pfeil

Gedämpfte Stimmung auf der "Super Return" Private Equity stellt sich auf Abschwung ein

Stand: 24.02.2019, 17:04 Uhr

Ob Osram, Scout 24 oder Tele München: Nie waren deutsche Unternehmen bei Finanzinvestoren so begehrt wie zurzeit. Doch auf dem Gipfeltreffen der Private-Equity-Branche nächste Woche in Berlin dürfte sich die Euphorie in Grenzen halten.

Jahrelang waren die Beteiligungsmanager vom Erfolg verwöhnt. Nun aber scheint sich die Stimmung zu drehen. Laut dem "European Private Equity Outlook" von Roland Berger sind erstmals seit langem die Pessimisten in der Überzahl. 48 Prozent der Private-Equity-Manager rechnen für 2019 mit weniger Deals. Nur 31 Prozent – als nicht einmal jeder Dritte - erwartet eine Zunahme der Transaktionen.

Auch in Deutschland lässt die Zuversicht nach. Das German Private Equity Barometer sank im vierten Quartal 2018. Die Kursverluste an den Börsen hat offenbar auf die Beteiligungsbranche abgefärbt.

Höhepunkt im Zyklus überschritten

Auf der Konferenz "Super Return", die nächste Woche in Berlin stattfindet, dürfte also die Stimmung eher gedämpft sein. Erfahrene Fondsmanager stellen sich auf einen Abschwung ein. Markus Brennecke, Co-Chef für Private Equity beim Finanzinvestor EQT, sagte gegenüber dem "Handelsblatt", dass der Höhepunkt im laufenden Zyklus überschritten sei. Wegen der geopolitischen Unsicherheiten wie unter anderem der drohende harte Brexit sehe die Branche vor einer "holprigen Wegstrecke".

Ähnlich vorsichtig für das laufende Jahr hatte sich zuletzt auch Thorsten Grede, Chef des Platzhirsches Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), gezeigt. "Makroökonomische Verwerfungen, etwa durch den Brexit und Handelskonflikte, erhöhen die Unsicherheit", warnte er. Das könne die Preisfindung im M&A-Geschäft und die Marktdynamik beeinflussen.

Wettbewerb mit reichen Familien

Zunehmende Konkurrenz kommt von reichen Unternehmer-Familien. "Die Niedrigzinsphase lockt die Family Offices an", sagt Grede. Mehrheitlich rechnen die reichen Familien mit Renditen zwischen zehn und 20 Prozent. Vier von fünf Private-Equity-Managern geben inzwischen laut einer Studie der DBAG zu, dass ihnen Family Offices das Leben schwerer machen.

2018 investierten die Finanzinvestoren so viel wie noch nie in deutsche Mittelständler. Laut DBAG gaben Private-Equity-Fonds rund 4,8 Milliarden Euro für die Übernahme von 47 deutschen Firmen aus.

Deutsche Firmen heiß begehrt

In diesem Jahr sorgten spektakuläre Transaktionen für Schlagzeilen. So will Blackstone sowie Hellman & Friedman das Kleinanzeigen-Portal Scout24 für 5,7 Milliarden Euro schlucken. Kommt der Deal zustande, wäre es die bislang größte Übernahme eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland durch Private Equity. Bislang war die Akquisition des Bad Vilbeler Arzneimittelhersteller Stada die teuerste Private-Equity-Übernahme. Bain und Cinven zahlten einst 5,6 Milliarden Euro einschließlich Schulden.

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
40,17
Differenz relativ
+0,05%

Auch der Lichttechnikkonzern Osram ist ins Visier von Private Equity geraten. Bain Capital und Carlyle wollen sich zusammentun und Osram komplett übernehmen. Und am Donnerstag verkaufte der Medienunternehmer Herbert Kloiber die Tele München Gruppe an den US-Finanzinvestor KKR.

nb