Briefträger der Deutschen Post fährt auf einem Zebrastreifen
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Strategieplan bis 2025 Post will noch mehr Milliarden verdienen

von Notker Blechner

Stand: 01.10.2019, 11:58 Uhr

Nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr läuft's für die Deutsche Post wieder besser. 2019 will der Bonner Konzern über vier Milliarden Euro verdienen - auch dank der Porto-Erhöhung. Die Anleger reagieren dennoch enttäuscht.

Was Briefeschreiber ärgert, freut die Post und ihre Aktionäre: die Anhebung des Portos auf Briefe und Postkarten um zehn Cent beschert dem Konzern jährlich rund 280 Millionen Euro mehr Einnahmen - und treibt den Gewinn.

Fast die Hälfte des Jahresziels hat die Post schon im ersten Halbjahr eingefahren, nämlich 1,9 Milliarden Euro. Und das beste kommt ja noch: das Weihnachtsgeschäft. "Wir sind in einer besseren Verfassung als jemals zuvor", versprühte Vorstandschef Frank Appel am Dienstag in Frankfurt demonstrativ Zuversicht. In diesem Jahr soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf bis zu 4,3 Milliarden Euro klettern - über eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr.

5,3 Milliarden Euro Gewinn bis 2022

Deutsche Post

Deutsche Post. | Bildquelle: picture alliance / Daniel Kalker

Damit gibt sich der Logistik-Konzern nicht zufrieden. 2020 soll der Vorsteuer-Gewinn erstmals die Marke von fünf Milliarden Euro überschreiten. Danach soll es in kleineren Schritten weitergehen. Bis 2022 soll der Gewinn im operativen Geschäft mindestens 5,3 Milliarden Euro erreichen. Diese mittelfristigen Ziele hat die Post am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung ihrer neuen Strategie bis 2025 verkündet.

Milliarden-Investitionen in die Digitalisierung

Einen kräftigen Ergebnisschub erhofft sich die Post von der Digitalisierung. Bis 2025 sollen zwei Milliarden Euro unter anderem in die Modernisierung der IT-Systeme fließen. Die Investitionen in die Digitalisierung sollen sich rasch auszahlen und bis 2025 einen jährlichen Ergebnisbeitrag von mindestens 1,5 Milliarden Euro liefern.

Die Post wolle sich auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren, sagte Konzernchef Frank Appel am Dienstag. "Und die Digitalisierung wird dabei der größte Hebel sein", betonte er. "Wir müssen uns nicht neu erfinden. Wir werden uns digitalisieren."

Profiteur des E-Commerce-Booms

Vor allem das Paketgeschäft soll zum Gewinntreiber werden. Der anhaltende Boom des Online-Handels werde auch mittelfristig für einen steigenden Bedarf nach Paketsendungen sorgen, betonen die Bonner. Im ersten Halbjahr erhöhte sich die transportierte Menge der Pakete um über sieben Prozent, der Umsatz alleine in Deutschland stieg um gut zehn Prozent.

Das im vergangenen Jahr begonnene Sanierungsprogramm scheint Früchte zu tragen. "Die eingeleiteten Preismaßnahmen greifen, der durchschnittliche Umsatz pro Paket steigt", verkündete Finanzchefin Melanie Kreis bei der Präsentation der Halbjahresbilanz im August.

Amazon sitzt der Post im Nacken

Die zunehmende Konkurrenz von Wettbewerbern wie Hermes und DPD sowie von Online-Anbietern macht freilich der Deutschen Post immer mehr zu schaffen. Online-Riesen wie Amazon drängen in die Paketzustellung. Zwar kooperieren DHL und Amazon seit 2017 - offenbar aber nur um zu verhindern, dass der Internet-Konzern noch mehr Transporte selbst übernimmt. Einen ersten Rückschlag gab's im Online-Handel für Lebensmittel. Vor kurzem beendete die Post ihre Zusammenarbeit mit Amazon-Fresh. Amazon stellt die Lebensmittel künftig über sein eigenes Logistik-Netzwerk zu. Post-Chef Appel versicherte aber in Frankfurt, dass auch 2025 "Amazon ein großer Kunde" bleiben werde.

Zudem spürt die Post die lahmende Weltkonjunktur und die Handelskonflikte, insbesondere zwischen China und den USA. Das internationale Frachtaufkommen hat sich abgeschwächt. Bei der Luftfracht sieht der Konzern eine rückläufige Nachfrage.

Briefgeschäft bleibt schwierig

Und auch das Briefgeschäft bleibt eine Baustelle. Im Gegensatz zu den Paketen schrumpft das Briefaufkommen weiter. Hinzu kommen gestiegene Löhne und Transportkosten, unter der die Post leidet. Mit Portoerhöhungen, die in diesem Jahr zunächst nur Privatleute und kleinere Geschäftskunden und 2020 auch Großkunden treffen, soll dem entgegengewirkt werden. Ob das langfristig reicht, ist fraglich. Weitere Kostensenkungen und Stellenstreichungen sind wahrscheinlich.

StreetScooter

StreetScooter. | Bildquelle: Deutsche Post DHL Group

Als zusätzliche Nische hat der Bonner Konzern das Autogeschäft entdeckt. Mit dem Streetscooter haben die Bonner einen echten Verkaufsschlager auf deutsche Straßen gebracht. Vom Elektro-Transporter wurden bereits gut 12.000 Exemplare verkauft.

Streetscooter bald auch in China?

Nun soll der Streetscooter auch nach China exportiert werden. Dort könnten bis zu 100.000 Fahrzeuge jährlich hergestellt werden. Auch in den USA wird eine Fertigung erwogen. Ob die Post das Streetscooter-Geschäft weiter alleine betreibt, wird sich bald entscheiden. Bisher verdienen die Bonner kein Geld mit ihrer Autoproduktion. Post-Chef Appel hat zuletzt mehrfach betont, dass die Post kein Autobauer werden soll. Man sei bereit zu Kooperationen mit Autoherstellern.

Die Strategie-Pläne bis 2025 reißen die Anleger nicht vom Hocker. Die Aktie Gelb fällt bis zum Mittag um rund drei Prozent. Die Experten von Baader Helvea verwiesen darauf, dass die Ziele bis 2022 bescheidener seien als erwartet. "Wird der schlafende Riesende erwachen", fragen sich die Analysten von Bernstein. Ihre Antwort: Die Strategie der Post sei eher Evolution statt Revolution.