Jürgen Gerdes, Vorstand Deutsche Post DHL mit Scooter-Spielzeugauto
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Misere im Brief- und Paketgeschäft Wird der Post-Vorstand gefeuert?

Stand: 12.06.2018, 09:02 Uhr

Nach der jüngsten Gewinnwarnung zieht die Post offenbar personelle Konsequenzen. Laut einem Medienbericht soll der langjährige Paket-Vorstand Jürgen Gerdes gehen. Die "Aktie Gelb" verliert weiter.

Der bullige Westfale galt als möglicher Kronprinz von Post-Chef Frank Appel. Gerdes hatte sich Hoffnungen gemacht, in drei Jahren den Chefposten beim Logistik-Konzern zu übernehmen. Dann läuft der Vertrag von Appel aus. Gerdes soll sich auf seinen Geländewagen das Kürzel "VV21" montiert haben. "VV" ist das Konzernkürzel vor "Vorstandschef".

Doch statt dem Aufstieg zum obersten Post-Lenker droht dem 54-jährigen Gerdes nun der Abstieg. Der Aufsichtsrat der Deutschen Post will laut einem Bericht des "Manager Magazins" den Vorstand am Dienstag von allen Aufgaben entbinden. Er soll die Verantwortung für die Probleme im Brief- und Paketgeschäft tragen.

Konsequenzen aus Gewinnwarnung

Am Freitag hatte die Post die Anleger gewarnt, dass die Kernsparte PeP (Postbriefe, E-Commerce, Pakete) saniert werden muss. Statt der ursprünglich geplanten 1,6 Milliarden dieses Jahr werde sie nur ein Betriebsergebnis von 600 Millionen Euro erzielen. Daraufhin reduzierte der Konzern sein operatives Ergebnisziel für 2018 von 4,15 Milliarden auf 3,2 Milliarden Euro.

Die Post-Aktie knickte darauf hin deutlich ein und erreichte zeitweise den tiefsten Stand seit Ende 2016. Sie büßte binnen zwei Tagen fast acht Prozent ein. Am Dienstag ist sie der einzige Dax-Verlierer.

Der "Vater" des Streetscooters

Der Abgang von Gerdes wäre ein harter Schlag für die Weiterentwicklung der Post zum Elektromobilitäts-Anbieter. Der Manager hatte den Bau des Elektro-Transporters Streetscooter vorangetrieben. Erst im Mai hatte Gerdes eine neue Fabrik für den Streetscooter im rheinischen Düren eingeweiht. Insgesamt will das Unternehmen künftig bis zu 20.000 Elektrofahrzeuge jährlich produzieren. Derzeit sind für die Post bereits rund 6.000 Streetscooter-Modelle vorwiegend in Deutschland im Einsatz.

nb