Pakete werden mit einem Fahrzeug durch die Halle eines DHL-Paketzentrums transportiert
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Paketprobleme Rückschlag für die Deutsche Post

Stand: 07.08.2018, 10:30 Uhr

Probleme im Paketgeschäft verhageln der Post das Quartalsergebnis: Die Erträge sinken, die Kosten steigen. Jetzt sind Sparmaßnahmen und Preissteigerungen das Mittel des Managements, um das Sorgenkind wieder auf Spur zu bringen. Die Anleger nehmen die Zahlen wohlwollend auf.

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Sinkende Erträge im Paketgeschäft lassen den Gewinn der Deutschen Post schrumpfen. Das operative Ergebnis (Ebit) sank im zweiten Quartal bei einem Umsatz von 15 Milliarden Euro Milliarden Euro um 11,2 Prozent auf 747 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte der Umsatz 14,8 Milliarden Euro betragen. In der Brief- und Paketsparte brach das operative Ergebnis auf 108 Millionen Euro ein. Im Vorjahresquartal waren es noch 260 Millionen Euro gewesen. Damit verfehlt die Post die Erwartungen der Analysten.

„Der Rest wird sich finden“

Konzernchef Frank Appel erklärt die Misere im Paketgeschäft so: "Im Paketgeschäft sind wir in den vergangenen Jahren deutlich schneller gewachsen als der Wettbewerb, alles nach der Devise: 'Wachstum ist super, der Rest wird sich finden'", hatte der Post-Chef in einem Mitarbeiter-Magazin kritisiert. Die Erträge seien aber nicht in dem Maße mitgewachsen, räumte er ein.

Erst im Juni hatte der Konzern deshalb ihre Jahresprognose um fast ein Viertel auf rund 3,2 Milliarden Euro zusammenstreichen müssen. Bis zum Jahr 2020 will die Post aber weiterhin ein operatives Ergebnis in Höhe von fünf Milliarden Euro erzielen.  

Sonst läuft es prima

Und was geschieht mit dem Paketgeschäft, das aufgrund des boomenden Onlinehandels eigentlich beste Voraussetzungen hat? Der für die Sparte zuständige Vorstand Jürgen Gerdes war jüngst freigesetzt worden. Der Boss Appel leitet das Geschäft derzeit selbst. „Wir werden nun (..) unsere Preise und Kosten sowohl im Post- als auch im Paketbereich stärker in den Blick nehmen, um die Volumenentwicklung in kontinuierlich steigende Erträge zu überführen", erklärte Appel seine Ideen.

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, am Steuer eines elektrisch angetriebenen Paketzustellfahrzeugs

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender Deutsche Post. | Bildquelle: Unternehmen

Abseits des Brief- und Paketgeschäfts lief es gut für die Post. Im Expressgeschäft und auch in der lange kriselnden Frachtsparte konnte der Konzern das operative Ergebnis deutlich steigern.

„Ordentliche Zahlen“

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ARD-Börse: Post stellt schlechte Nachrichten zu - das Brief- und Paketgeschäft läuft nicht

Mit einem Plus von rund einem Prozent zählen die Aktien der Deutschen Post im Dax zu den meistgesuchten Werten. Das US-Analysehaus Bernstein Research hat sein Anlageurteil bei „Market Perform“ mit einem Kursziel von 29 Euro belassen. Die Post habe ordentliche Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt, schrieb Analyst Daniel Roeska.

Die Deutsche Bank empfiehlt die Titel nach Zahlen weiterhin zu kaufen. Analyst Andy Chu sieht für die Anleger keinen Anlass zur Sorge. Der Umbau im Brief- und Paketgeschäft laufe anscheinend rund und DHL sei weiter stark. Auch Michael Kuhn von der Société Générale zieht ein positives Fazit. Der auf den ersten Blick enttäuschende operative Gewinn bereite ihm kein Kopfzerbrechen, da er mit einer noch stärkeren Belastung durch Restrukturierungsaufwendungen im Bereich Brief und Fracht gerechnet habe. Vor allem aber habe das Management des Logistikkonzerns die Probleme in diesem Segment im Griff.

ts/rtr/dpa