Pakete werden mit einem Fahrzeug durch die Halle eines DHL-Paketzentrums transportiert
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Zusammenlegung des Paketversands mit Delivery Post verärgert Angestellte: 12 statt 20 Euro

Stand: 18.02.2019, 13:20 Uhr

In Zukunft arbeiten die Angestellten der Post AG mit denen der Billigtochter Delivery zusammen. Die Deutsche Post fusioniert einem Bericht zufolge den Paketversand. Mitarbeiter und Gesellschaften reagieren erbost.

Zum 1. April will der Postkonzern nach Informationen der "Welt" die Paketzustellung von Delivery mit der Arbeit der Deutschen Post vereinen. Darüber hinaus sollen die Verwaltungen an zehn Standorten komplett gestrichen und in den restlichen Niederlassungen gekürzt werden. Dadurch fallen Hunderte Stellen weg. Das Management eines Standorts soll alle Mitarbeiter einteilen und die Touren planen.

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Künftig arbeitet also das Personal aus zwei komplett unterschiedlichen Arbeits- und Lohnwelten direkt nebeneinander. Im klassischen Zustellbetrieb verdienen die Paketboten deutlich besser. Nach dem Haustarif bekommen sie einen Stundenlohn von bis zu 20 Euro.

Die rund 13.000 Beschäftigten der 46 Delivery-Firmen erhalten dagegen nach dem Logistiktarif der jeweiligen Bundesländer meist nur etwa 12 Euro - im Durchschnitt also ein Viertel weniger. Und das bei weniger Pausen, mehr Arbeitsstunden und größeren Paketmengen.

Gewerkschaften fordern Lohnangleichung

Die Gewerkschaften und Mitarbeiter reagieren erbost. "Diese Ungleichheit wird zu Unmut unter den Beschäftigten führen", sagte Christina Dahlhaus, Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM, der "Welt". Dahlhaus fordert eine Angleichung an die Tarife der Post AG.

Kürzlich war ein Verfahren vor dem Düsseldorfer Landgericht gescheitert, bei dem der Betriebsrat der Post und die Gewerkschaften über die Zusammenlegung gleichen Lohn für gleiche Arbeit verhandelten.

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, am Steuer eines elektrisch angetriebenen Paketzustellfahrzeugs

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender Deutsche Post. | Bildquelle: Unternehmen

Obwohl eine Einigung nicht zustande kam, setzt Appel das Programm jetzt um. Dem "Welt"-Bericht zufolge teilte das Unternehmen mit, dass es den "geltenden Regeln entsprechend" möglich sei, in der Paketzustellung gemeinsame Betreibe einzurichten. Mitarbeiter der Post AG fürchten eine Angleichung nach unten.

Vom Wachstumsbringer zur Gewinnbremse

Hintergrund ist das angekündigte Sparprogramm von Frank Appel. Der Konzernchef will den Gewinn der Brief- und Paketsparte um eine halbe Milliarde Euro erhöhen. Das Paket-Geschäft der Deutschen Post war in den vergangenen Jahren vor allem dank des E-Commerce-Booms stark gewachsen - mit steigenden Kosten. Diese bereiten der Post Probleme. Der einstige Wachstumsbringer wurde zur Gewinnbremse.

Um die steigende Menge zu bewältigen, musste Appel Hunderte Millionen Euro in das Paketnetz, die Technik und Fahrzeuge investieren. Außerdem steigen die Personalkosten laut Appel von Jahr zu Jahr. Die Folge: Im vergangenen Jahr brach das operative Ergebnis im zweiten Quartal um 60 Prozent ein und das Bonner Unternehmen musste eine Gewinnwarnung verkünden. Appel kündigte neben höheren Preise für den Paket-Versand und einer Erhöhung des Briefportos eine Sanierung an. Diese ist nun in vollem Gange - zu Lasten der Angestellten.

tb