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Vorerst keine Erhöhung des Briefportos Post-Aktie am Dax-Ende

Stand: 31.10.2018, 14:45 Uhr

Die Bundesnetzagentur hat das Verfahren zur Erhöhung des Briefportos auf Eis gelegt. Die Aktie der Deutschen Post brach daraufhin ein und war am frühen Nachmittag größter Verlierer im Dax. Die Entscheidung soll nun im ersten Halbjahr 2019 fallen.

Nach einem Gewinnrückgang in der Brief- und Paketsparte im Juni hatte Post-Chef Frank Appel angekündigt, die Preise anzuheben. Der operative Ertrag war im zweiten Quartal um 60 Prozent eingebrochen. Ab Januar 2019 sollten deshalb 70-Cent-Standardbriefe bis zu 80 Cent kosten, war im Sommer spekuliert worden. Neben dem Brief sollten auch Pakete teurer werden.

Im August schien die Bundesnetzagentur, die den Preisrahmen abstecken muss, einer Erhöhung des Briefportos in einem größeren Schritt für mehrere Jahre offen gegenüber zu stehen. Um den Rahmen der Preise festzulegen, berücksichtigt die Agentur auch Inflation, Briefmengen und Kostenentwicklung bei der Post.

Zuletzt war das Porto für einen Standardbrief Anfang 2016 für drei Jahre von 62 auf 70 Cent erhöht worden - die größte Steigerung seit 1989. Die Agentur hatte auf einen Schlag höhere Briefpreise gebilligt, um so im Sinne der Verbraucher Preissteigerungen in mehreren kleineren Schritten zu verhindern.

"Nachweis nicht hinreichend erbracht"

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender Deutsche Post. | Bildquelle: Unternehmen

Nun muss die Post ihre Pläne aber vorerst verschieben. Die Bundesnetzagentur kann nach eigenen Angaben erst einmal nicht über neue Preise entscheiden. Hintergrund ist die laufende Sanierung des deutschen Brief- und Paketgeschäfts des Konzerns nach der Gewinnwarnung im Juni, zu der Appel ein Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht hat.

Der Regulierer will die Auswirkungen der Umbauten in seine Entscheidung einfließen lassen. Die Post habe den Nachweis ihrer veränderten Kosten und Einsparungen jedoch nicht hinreichend erbracht, begründete der Chef der Netzagentur, Jochen Homann, den Schritt.

Die Post hatte eigentlich auf steigende Preise ab Januar gesetzt. Der Konzern hoffe nun, dass es noch vor dem Frühjahr 2019 eine Entscheidung zum Briefporto geben werde, sagte ein Sprecher. Mit weniger Porto muss die Post aber nicht rechnen: "Die bisherigen Erkenntnisse (..) lassen erkennen, dass Entgeltabsenkungen eher unwahrscheinlich sind", erklärte die Bundesnetzagentur. Eine endgültige Genehmigung neuer Briefentgelte werde nach derzeitigem Stand im ersten Halbjahr 2019 ergehen.

Größter Dax-Verlierer

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
27,93
Differenz relativ
-0,30%

Die Anleger reagierten derweil enttäuscht: Die Post-Aktie fällt bis Mittwochnachmittag um über vier Prozent und landet abgeschlagen am Dax-Ende. Der Markt habe bereits zu Jahresbeginn Preissteigerungen erwartet, schrieb Damian Brewer vom Analysehaus RBC - er bezog sich in seiner Studie noch auf einen Medienbericht, der sich mit der Mitteilung der Bundesnetzagentur bestätigt hat. Die jetzige Entwicklung sieht Brewer angesichts der weiter steigenden Inflation negativ für die Gewinne und Margen des Logistikkonzerns.

Durchwachsenes Geschäft

Das Briefgeschäft der Post in Deutschland leidet unter sinkenden Sendungsmengen, der Brief wird immer mehr durch elektronische Kommunikation wie die E-Mail ersetzt. Rasantes Wachstum registriert der Konzern dagegen beim Paket - die Verbraucher bestellen ihre Waren im Internet, die Post liefert sie dann aus. Zu Weihnachten erwartet der Konzern neue Höchstmarken.

Der Umsatz kletterte entsprechend, doch wuchsen die Kosten schneller als die Erlöse. Appel will nun das Steuer herumreißen und die Kosten drücken - die Sparte ist ein wichtiger Baustein für sein Jahresziel 2020, das vorsieht, den operativen Ertrag auf über fünf Milliarden Euro zu steigern. Rund 1,7 Milliarden Euro davon soll aus dem Brief- und Paketgeschäft kommen.

tb