Porträt

Bulle, Bär und Börsenkurse auf einem Notebook

Philipp-Reis-Investment-Club (PRIC) "Mit einer Wella-Aktie fing alles an"

von Bettina Seidl

Stand: 30.03.2016, 16:45 Uhr

Defensiv heißt die Devise im Philipp-Reis-Investment-Club. Zockerei gibt's nicht, kann es gar nicht geben. Der PRIC hat sie einfach nicht in den Genen. Auf Kostolanys Schlaftabletten-Rat gibt der Club aber auch nichts.

Der PRIC ist ein Kind der Schule. Der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf. "Im Sommer '83 gab es eine Projektwoche an der Schule", erinnert sich Gründungsmitglied Klaus Tobeck zurück. "Meine Frau war dort Lehrerin." Zunächst wurde kein einziges wirtschaftskundliches Thema in der Projektwoche angeboten. Dabei lag Tobeck gerade das am Herzen. Er war Abteilungsdirektor bei der Dresdner Bank, zudem politisch aktiv, Kreistagsabgeordneter.

"Mir lag daran, junge Menschen für unser Wirtschaftssystem zu begeistern", erklärt Tobeck seine damalige Motivation. "Gerade am Beispiel Börse kann man das Funktionieren der Marktwirtschaft, das zusammenwirken von Angebot und Nachfrage, gut erklären". Also bot er das Projekt "Vermögensbildung durch Wertpapiersparen" an, und 20 Schüler kamen.

Die Geburtsstunde des PRIC

Eine Woche referierte er über Börse, Sparmotive und Kennziffern und unternahm mit den Schülern Besichtigungen. "Wir waren bei Hoechst, der Dresdner Bank, bei Opel und an der Börse." Nach dieser Woche hatten die Schüler so viel Spaß an der Sache, dass sie selbst mit kleineren Beträgen in Wertpapiere investieren wollten. Das war die Geburtsstunde des Investmentclubs. Mit Hilfe der Eltern der damals noch minderjährigen Schüler wurde eine BGB-Gesellschaft gegründet. Später, bei Volljährigkeit, übernahmen die Kinder die Mitgliedschaft.

Es fing ziemlich klein an. "Mit nur einer einzigen Wella-Aktie", denkt Tobeck zurück. Unmittelbar nach der Gründung des Clubs wurde spontan Geld gesammelt. Die Aktie hat keine 400 D-Mark gekostet. "Die haben wir später mit sehr gutem Gewinn verkauft. Gewinn hatten die Schüler auch auf anderer Ebene. "Einige haben später in ihren Bewerbungen geschrieben, dass sie in einem Investmentclub mitgewirkt haben – das hat sich positiv ausgewirkt."

Performance ist nicht alles

Bei der Anlagestrategie setzt man auf Risikominimierung: "Spekulieren ist nicht unsere Sache", sagt Tobeck, "wir sind eher konservativ". Analysiert werden Fundamentaldaten wie Chart: "Wir achten zum Beispiel auf eine langfristig gute Gewinn- und Umsatzentwicklung. Auch die relative Stärke spielt eine Rolle, wir haben nur starke Aktien mit einem Wert über 1. Wir ziehen aber auch die Chartanalyse heran - der Chart hat sogar ein höheres Gewicht als die Fundamentalanalyse." Mehr Spekulation würde auch nicht so recht passen zum Versammlungsort: Der PRIC kommt immer im evangelischen Gemeindehaus zusammen.

Trotzdem hat der Club in seinem über 30-jährigen Leben auch viele Krisen miterlebt. Den Oktober-Crash 1987. Den Fall des neuen Marktes 2000. Und die Finanzkrise 2008. Schwierige Zeiten für einen Club, der nicht spekuliert und Kurseinbrüche in klingende Münze verwandeln könnte. Insgesamt ist die Wertentwicklung seit der Gründung dennoch ausgeglichen, sagt Tobeck. "Performance steht bei uns aber auch nicht im Vordergrund, sondern der Erfahrungsaustausch und die Wissensvermittlung." Wie schon damals geht es dem Club auch heute darum, die Aktienkultur zu fördern und die Funktionsweise der Finanzmärkte kennenzulernen.

Unterstützung gibt's aus dem Club-Kreis. Beispielsweise gibt ein Mitglied ein technisches Analysesystem heraus, macht den Club mit der technischen Analyse durch Vorträge und Führung des Clubdepots vertraut. Auch ein ehemaliger Fondsmanager bringt seine Erfahrungen ein.