Porsche 911 Turbo S Cabriolet

Achtung, Verwechslungsgefahr! Porsche SE und Porsche AG

Stand: 08.06.2018, 09:11 Uhr

Porsche ist die Sportwagen-Tochter des VW-Konzerns. Aber Porsche ist auch der Name der Holding, die die Stimmenmehrheit an Volkswagen hält und damit quasi die Muttergesellschaft der Wolfsburger ist. boerse.ARD.de erklärt.

Um die komplizierte Beteiligungs-Struktur zwischen Porsche und VW zu verstehen, sollte man mindestens ein Jahrzehnt zurückblicken. Denn im Jahr 2005 begann Porsche mit seinem damaligen Vorstandschef Wendelin Wiedeking, eine Beteiligung an Volkswagen aufzubauen und stetig zu vergrößern.

Strategisch wurde dies mit möglichen Synergien zwischen beiden Unternehmen in der Produktion, aber auch mit der Abwehr einer möglichen feindlichen Übernahme des VW-Konzerns begründet, die die Gründer-Familien Porsche und Piëch verhindern wollten. Der Anteil wurde von fünf auf zunächst fast 30 Prozent ausgebaut.

Integration statt Übernahme

2007 erklärte Porsche, einen Mehrheitsanteil an VW anzustreben. Bereits in diesem Jahr wurden die "zwei Porsches" geschaffen. Die Porsche AG war für das operative Geschäft, also den Bau der Sportwagen zuständig. Die Porsche Automobil Holding SE (Europäische Aktiengesellschaft) agierte als Manager der VW-Beteiligung. Über spektakuläre Kredit- und Derivate-Geschäfte sicherte sich Porsche 2008 die Option, sogar 75 Prozent an VW zu erwerben. Ein Jahr später einigten sich beide Parteien aber auf die Schaffung eines "integrierten Automobil-Konzerns".

Porsche AG wird bei VW eingegliedert...

Dabei übernahm Volkswagen zunächst 42 Prozent der Anteile an der Porsche AG, der kurz darauf auf 49,9 Prozent ausgebaut wurde. Die Mehrheit der Anteile blieb noch im Besitz der Porsche Holding SE. Im Jahr 2012 wurde dann die heutige Struktur zwischen Porsche Holding, Volkswagen und der Porsche AG geschaffen: Für 4,49 Milliarden Euro kaufte VW die restlichen Anteile an der Porsche AG und gliederte sie in ihren Markenverbund ein (siehe Schaubild). Die Porsche AG ist also nicht mehr börsennotiert. Die Porsche SE wiederum hält 52,2 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien von Volkswagen, das entspricht 30,8 Prozent am gesamten Kapital bei VW. Die Porsche SE ist also gewissermaßen Herr im Hause VW und die Muttergesellschaft von Volkswagen.

Porsche SE nach der Transaktion

Porsche SE nach der Transaktion. | Bildquelle: Volkswagen AG, Grafik: boerse.ARD.de

... Porsche SE hat die Macht

Die Porsche SE hat weiterhin den Hauptzweck, ihre Beteiligung an dem Autokonzern VW (mitsamt dem Sportwagen-Hersteller Porsche) zu verwalten. 2014 erwarb sie mit einem Minderheitsanteil im Navigations-Spezialisten Inrix eine weitere kleine Beteiligung.

Auch die Aktien der Porsche SE teilen sich wiederum in Stamm- und Vorzugsaktien auf. Die Vorzugsaktie, die an der Börse notiert ist, bewegt sich beinahe exakt im Gleichklang mit den VW-Vorzügen im Dax. Die stimmberechtigten Stammaktien liegen bei den eigentlichen Machthabern im Hause Porsche und damit auch Volkswagen: bei den Familien Porsche und Piëch.

AB