Wirecard-Firmensitz in Aschheim
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Wieder bis zu 21 Prozent im Minus Polizei durchsucht Wirecard-Büros in Singapur

Stand: 08.02.2019, 18:07 Uhr

Der Kurssturz der Wirecard-Aktie geht auch am Freitag weiter. Die Polizei in Singapur hat die dortige Niederlassung des Zahlungsabwicklers durchsucht. Zuvor hatte das Dax-Unternehmen seine Absicht bekundet, die "Financial Times" (FT) wegen deren Berichten zu verklagen.

"Die Polizei von Singapur hat heute die Räumlichkeiten von Wirecard in Singapur untersucht", sagte ein Polizeisprecher am Freitag der "Financial Times". Etwa zehn Beamte seien am Vormittag in den Wirecard-Büros im Stadtsstaat gewesen, so eine mit der Situation vertraute Person. Außerdem seien Angestellte nach der Finanzstruktur sowie nach den Mitarbeitern des Finanzteams befragt worden. Welche Einheit die Operation durchführte, oder ob und welche Materialien bei der Razzia mitgenommen wurden, sei unklar.

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Wirecard teilte mit, es arbeite mit der Polizei in Singapur zusammen, um die Vorwürfe auszuräumen. Demnach sei der Konzern bereits am Donnerstag auf die Behörden zugegangen. Eine behördliche Untersuchung sei nach derart negativer Medienberichterstattung ein normaler Prozess, so das Dax-Unternehmen.

Wirecard kooperiert mit Polizei

Die interne Untersuchung von Vorwürfen rund um Bilanzunregelmäßigkeiten werde weitergeführt und die Ergebnisse öffentlich gemacht, teilte Wirecard weiter mit. Der Zahlungsdienstleister habe seine vollständige Kooperation mit den Behörden zugesagt. Am Freitag habe das Unternehmen Ermittlern in Singapur Informationen ausgehändigt. Man arbeite eng mit der Polizei zusammen.

Die Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Unternehmens seien laut Wirecard nach wie vor unbegründet. "Wirecard geht rechtlich gegen FT und seine unethische Berichterstattung vor", erklärte der Dax-Konzern aus Aschheim bei München. In den vergangenen Tagen hatten mehrere Berichte der britischen Finanzzeitung über einen angeblichen Bilanzskandal die Wirecard-Aktie mehrfach zum Absturz gebracht, Milliarden an Börsenwert wurden vernichtet.

Aktie geht in freien Fall über

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Wirecard hat die Vorwürfe damit wiederholt zurückgewiesen. Die Anleger bleiben jedoch weiter vorsichtig und alarmiert. Die Wirecard-Aktie stürzte am Freitagnachmittag in der Spitze um 21 Prozent nach unten. Erst am Vortag hatte ein neuerlicher kritischer Bericht der "Financial Times" den Kurs des Zahlungsabwicklers um 15 Prozent abstürzen lassen. Das Papier notierte am Freitag unter 100 Euro und verlor damit seit Bekanntwerden der Vorwürfe Ende Januar über 45 Prozent an Wert. Damit sind die gesamten Kursgewinne des vergangenen Jahres ausradiert.

Bereits am Montag hatte Wirecard-Chef Markus Braun erklärt, dass die Untersuchung der beauftragten Anwaltskanzlei Rajah & Tann in Singapur bisher keinerlei Belege für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten gefunden habe. Die Prüfung stehe kurz vor dem Abschluss. Braun äußerte die Vermutung, dass eine Fehde unter Mitarbeitern hinter den Veröffentlichungen steckt.

tb