Paul Singer beim World Economic Forum in Davos, 2013

Haupteigner Bain und Cinven knicken ein Poker um Stada: Eins zu null für Singer

Stand: 04.09.2017, 08:03 Uhr

Im Streit um eine höhere Abfindung für die verbliebenen Stada-Aktionäre hat Paul Singer vom Hedgefonds Elliott hoch gepokert - und offenbar gewonnen.

Jedenfalls sind die Stada-Hauptaktionäre, die Finanzinvestoren Bain und Cinven, eingeknickt und wollen bei Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags den übrigen Aktionären eine Abfindung von 74,40 Euro pro Aktie anbieten.

Der von Singer kontrollierte Hedgefonds Elliott hatte zuvor signalisiert, den von den Käufern angestrebten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag nur zu unterstützen, wenn diese mindestens den nun genannten Betrag je Anteilschein auf den Tisch legen. Der ursprüngliche Angebotspreis hatte hingegen nur bei 66,25 Euro gelegen. Am Freitag war die Stada-Aktie mit 79,50 Euro aus dem Xetra-Handel gegangen.

Elliott spielt eine Schlüsselrolle

Stada: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,90
Differenz relativ
+0,07%

Um einen Beherrschungsvertrag abschließen zu können, benötigen Bain und Cinven eine Mehrheit von 75 Prozent auf der Stada-Hauptversammlung - zuletzt hielten sie aber nur knapp 64 Prozent. Singer hielt zuletzt über seinen Fonds und andere Vehikel 13,26 Prozent der Anteile. Einschließlich Derivaten hat er inzwischen sogar Zugriff auf 15,24 Prozent an dem Arzneimittelhersteller. Damit spielt der aktivistische Investor eine Schlüsselrolle. Die Verhandlungen über den Vertrag mit Stada laufen derzeit, ein Abstimmungstermin steht noch nicht fest.

Den Finanzinvestoren war Mitte August im zweiten Anlauf zwar die mehr als fünf Milliarden Euro schwere Übernahme von Stada geglückt, die geforderte Schwelle von 63 Prozent der Anteile an dem Pharmakonzern hatten sie mit 63,8 Prozent aber nur knapp übersprungen. Bis zum Freitag konnten Anleger, die die Offerte über 66,25 Euro noch nicht angenommen haben, ihre Anteile noch andienen. Da die Stada-Aktie in den vergangenen Wochen deutlich über der Offerte notierte, dürften Bain und Cinven kaum zusätzliche Papiere eingesammelt haben.

Albrecht neuer Chef

Am Freitag war bekant geworden, dass Stada künftig von Claudio Albrecht geleitet werden soll. Der gebürtige Tiroler hat sich durch die Sanierung des Generikakonzerns Actavis zwischen 2010 und 2012 einen Namen gemacht. Nun soll er auch den Arzneimittelhersteller in Bad Vilbel auf Vordermann bringen. Offiziell muss er noch vom Aufsichtsrat berufen werden, den die neuen Stada-Eigner Bain Capital und Cinven benennen müssen.

lg