Nächtliche Autobahn mit roten Streifen von Rückleuchten

CTS auf Erfolgskurs Pkw-Maut macht Tickethändler zum Favoriten

Stand: 04.01.2019, 14:27 Uhr

Der Konzertveranstalter CTS Eventim soll künftig die Pkw-Maut in Deutschland erheben. Bislang profitierte die Aktie kaum vom Maut-Zuschlag. Doch das könnte sich ändern.

Ein deutsch-österreichisches Konsortium hat am Sonntag endgültig den Zuschlag zur Erhebung der PKW-Maut in Deutschland erhalten. Der deutsche Ticketverkäufer CTS Eventim und das österreichische Unternehmen Kapsch TrafficCom sollen in Zukunft die Maut auf Bundesstraßen und Autobahnen kassieren.

Dass die beiden Unternehmen den Zuschlag erhalten sollen, hatte das Bundesverkehrsministerium bereits vor Weihnachten mitgeteilt. Nun ist die Frist abgelaufen, innerhalb der unterlegene Bieter Gebrauch von ihrem vergaberechtlichen Rechtsschutz machen konnten.

Konzernumsatz auf Rekordhoch

CTS Eventim, der deutsche Konzertveranstalter und Ticketverkäufer, steigt damit in ein komplett neues Geschäftsfeld ein. Der Boom bei Konzerten und Großveranstaltungen beschert dem Unternehmen seit Jahren steigende Gewinne. Im Jahr 2017 erzielte CTS einen Rekordumsatz von über einer Milliarde Euro. Jetzt steht der Ticket-Händler vor einem weiteren Rekordjahr: In den ersten neun Monaten 2018 stieg der Konzernumsatz um fast ein Viertel auf 922,5 Millionen Euro.

Zudem setzte CTS 2018 seine internationale Expansion mit den Übernahmen der Promoter D’Alessandro e Galli, Vivo Concerti (beide Italien) und Doctor Music (Spanien) fort. „Wir sind optimistisch, dass wir 2018 unsere Rekordzahlen aus dem Vorjahr erneut übertreffen werden“, sagt Unternehmenssprecher Christian Steinhoff.

Betreiber gründen Joint Venture

Der Partner Kapsch TrafficCom ist auf dem Gebiet der Pkw-Maut hingegen kein Neuling. Das österreichische Unternehmen war bereits in 50 Ländern an Projekten zur Mauterhebung beteiligt.

Kapsch TrafficCom-Logo

Kapsch TrafficCom. | Bildquelle: Imago

„Beide Unternehmen sind der Auffassung, dass sich unsere Kompetenzen für diese Aufgabe gut ergänzen“, so Steinhoff.

Während Kapsch TrafficCom über umfangreiche Erfahrung im Bereich Errichtung und Betrieb von Maut-Systemen verfüge, steuere CTS Eventim als eines der größten E-Commerce-Unternehmen Europas seine Expertise aus dem Verkauf von mehr als 250 Millionen Tickets pro Jahr bei. Als Betreibergesellschaft haben sie ein Joint Venture vorgesehen, an dem beide Partner jeweils 50 Prozent der Anteile erhalten.

Auftragsvolumen von zwei Milliarden Euro

CTS Eventim-Konzertkarten

CTS Eventim-Konzertkarten. | Bildquelle: picture-alliance/dpa.

Der Vertrag des Bundes mit den beiden Unternehmen läuft über mindestens zwölf Jahre. Über diese Zeit beträgt das Auftragsvolumen für die Betreibergesellschaft knapp zwei Milliarden Euro, so CTS. Der Bund hat die Möglichkeit, die Zusammenarbeit auf 15 Jahre zu verlängern.

Der Start der Pkw-Maut ist allerdings weiter unklar. Laut Bundesverkehrsminister Scheuer soll sie zum Oktober 2020 kommen. Doch Österreich klagte vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen das Projekt. Ein Urteil wird Mitte des Jahres erwartet. Sollte die Maut verhindert werden, ist CTS nach eigenen Angaben vertraglich abgesichert.

Gewinnsteigerung für CTS erwartet

Doch Marktbeobachter sehen in dem Zuschlag für die Pkw-Maut ein großes Potential für CTS und sind daher positiv gestimmt für die Aktie. "Der Zuschlag für die Erhebung der geplanten Pkw-Maut unterstreicht die Flexibilität der Ticketing-Plattform von CTS Eventim", sagt der Analyst Thomas Maul. Er erwartet von der Maut eine deutliche Gewinnsteigerung für CTS.

Ähnlich fällt die Schätzung von Baader-Experte Volker Bosse aus, der durch die Maut einen Beitrag zum Nettogewinn von rund sieben Millionen Euro jährlich sieht. Dies würde ein Plus von etwa 5,5 Prozent auf den von ihm für 2018 geschätzten Nettogewinn von 126 Millionen Euro bedeuten.

Aktie profitierte bislang kaum

Klaus-Peter Schulenberg, CEO CTS Eventim

CTS Eventim-CEO Klaus-Peter Schulenberg. | Quelle: picture-alliance/dpa

In dem zuletzt schwachen Gesamtmarkt profitierte die CTS-Aktie bisher allerdings kaum vom Maut-Zuschlag. Nachdem das Bundesverkehrsministerium seine Entscheidung kurz vor den Weihnachtsfeiertagen bekannt gegeben hatte, war der Kurs auf fast 35 Euro gestiegen. Doch wie schon in den Wochen davor war bei dieser Marke Endstation. Es ging wieder abwärts.

Der endgültige Zuschlag für CTS und Kapsch zu Beginn des neuen Jahres sorgte ebenfalls für keine positiven Kursimpulse: Aktuell zahlen die Anleger für das Papier knapp 34 Euro. Damit notiert es aber immerhin ein gutes Stück über seinem Zwischentief von 30,64 Euro von Mitte Dezember. Bis zum Rekordhoch von 43,86 Euro aus dem vergangenen Juni fehlt allerdings noch ein gutes Stück.

DZ Bank sieht Aktie als Favorit

Das Papier von CTS gehört trotzdem zu den Favoriten der DZ Bank für 2019, obwohl das Unternehmen Ende des Jahres mit dem Abstieg vom Mittelwerteindex MDax in das Kleinwertesegment SDax einen Dämpfer erhielt.

Anleger der ersten Stunde, die seit dem Börsengang im Jahr 2000 alle Höhen und Tiefen durchgestanden und an der Aktie festgehalten haben, können sich aber über einen satten Wertzuwachs freuen: Denn ihr Investment hat sich seit dem Börsengang in etwa verelffacht.

mgo

So funktioniert die Pkw-Maut

Die Maut muss künftig von allen Autofahrern in Deutschland für jeweils ein Jahr entrichtet werden. Autofahrer aus dem Ausland sind lediglich bei der Nutzung von Autobahnen abgabepflichtig. Sie können zwischen einer Vignette für zehn Tage, zwei Monate oder einem Jahr auswählen. Der Preis der Vignette richtet sich nach dem Hubraum und der Schadstoffklasse der Fahrzeuge. Die Pkw-Maut wird als elektronische Vignette erhoben. Die Berechtigung, eine Autobahn zu nutzen, ist dabei mit dem amtlichen Kennzeichen verknüpft. Dieses wird nach dem Bezahlen der Maut im System freigeschaltet. Das Bundesamt für Güterverkehr führt die Kontrollen durch. Mithilfe einer App und einer Internetseite sollen Autofahrer die Maut bezahlen können. Außerdem soll es vor Ort Zahlstellen geben, bei denen die Maut auch manuell gebucht werden kann.